Archäologische Stätte „Mitla“

Quelle: INAH

Mitla gehört zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Oaxacas. Die zapotekische Stadt erlebte ihre Blütezeit nach dem Niedergang Monte Albáns und war bei der Ankunft der Spanier weiterhin bewohnt. Ihre Palastanlagen sind besonders für die geometrischen Steinmosaike bekannt, die Fassaden, Innenräume und Gräber schmücken. Zu den markantesten Bauwerken zählen die Säulenhalle und die Gebäude um den reich verzierten Palasthof.

Geschichte von Mitla

Besiedlung und historische Entwicklung

Der Name Mitla geht auf das nahuatlsprachige Mictlán zurück und bedeutet „Ort der Toten“. Der zapotekische Name Liobaa, auch Lyobáa geschrieben, wird als „Haus der Gräber“ oder „Ruheort der Toten“ übersetzt. Die Bezeichnungen spiegeln die besondere Bedeutung des Ortes für Bestattungen und die Verehrung der Toten wider.

Nach Angaben des INAH ließen sich um 200 n. Chr. zapotekische Bevölkerungsgruppen am Ort nieder. Nach dem Niedergang Monte Albáns, der ab etwa 750 n. Chr. einsetzte, gewann Mitla zunehmend an Bedeutung. Seine größte Blüte erreichte es während der Postklassik, insbesondere ab etwa 1200 n. Chr. Nach Angaben von INAH können in der Stadt bis zu 15.500 Menschen gelebt haben. Die Stadt blieb bis zur spanischen Eroberung ein bedeutendes Herrschafts- und Religionszentrum im Tal von Tlacolula.

Die Paläste, Hofanlagen und aufwendig ausgestatteten Gräber zeugen von der Bedeutung der herrschenden Familien und des Totenkults. Die charakteristischen geometrischen Steinmosaike gehören zur zapotekischen Bautradition. Daneben sind für die Postklassik mixtekische Kultureinflüsse belegt. Dazu zählen Wandmalereien im Stil mixtekischer Bilderhandschriften sowie Goldobjekte und mehrfarbige Keramik, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden. 

Im späten 16. Jahrhundert entstand die Kirche San Pablo auf einem vorspanischen Unterbau innerhalb der nördlichen Baugruppe. Für den Kirchenbau wurden Teile der älteren Anlagen abgetragen und deren Steine wiederverwendet. Weitere Räume dienten während der Kolonialzeit unter anderem als Pfarrhaus. Die heutige Ortschaft entwickelte sich zwischen und um die vorspanischen Baugruppen.

Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung

Mitla blieb als bewohnter Ort bekannt. Die Erforschung begann daher nicht mit einer Wiederentdeckung einer verlassenen Stadt. Zu den frühen Forschungsarbeiten gehören die Grabungen von Leopoldo Batres an der Säulengruppe zwischen 1901 und 1902. Alfonso Caso und Daniel Rubín de la Borbolla untersuchten die Stätte 1934 und 1935. Ihre Arbeiten lieferten wichtige Grundlagen für die zeitliche Einordnung der Baugruppen.

Seit 2022 untersucht das Projekt Lyobaa den Untergrund mit geophysikalischen Verfahren. Messungen im Bereich der Kirche ergaben Hinweise auf mögliche Hohlräume oder tunnelartige Strukturen. Weitere Untersuchungen lieferten Hinweise auf ältere Bauphasen und die schrittweise Ausdehnung der Stadt. Nach den 2024 veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen gehört die Südgruppe wahrscheinlich zu den ältesten Bereichen. Die untersuchten Anlagen der Arroyo-Gruppe werden um 1200 n. Chr. eingeordnet.

Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde

Die erhaltenen Monumentalbauten verteilen sich auf fünf Gruppen: die Säulengruppe, die Kirchen- oder Nordgruppe, die Arroyo-Gruppe, die Adobe- oder Calvario-Gruppe und die Südgruppe.

Steinmosaike und geometrische Friese

Mitlas bekanntestes Merkmal sind die als grecas bezeichneten geometrischen Ornamente. Viele bestehen aus kleinen, präzise zugeschnittenen Steinen, die vielfältigen Mustern zusammengesetzt wurden. Andere Ornamente sind in größere Steinblöcke eingearbeitet. Die Friese liegen innerhalb gerahmter Wandfelder und betonen die Fassaden und Innenräume der repräsentativen Gebäude. Ursprünglich waren die Ornamente mit einer dünnen Kalkschicht überzogen und rot gefasst. Kleine Reste dieser Oberflächen sind noch erhalten.

Grupo de las Columnas (Säulengruppe)

Die Säulengruppe besteht aus drei Hofanlagen auf unterschiedlichen Ebenen. Besonders eindrucksvoll ist der Palast um den Hof D mit seinen dicht angeordneten Mosaikfriesen. Die angrenzende Säulenhalle besitzt sechs große, jeweils aus einem einzigen Stein gearbeitete Säulen. Sie trugen ursprünglich die Dachkonstruktion. Als mögliche Funktion dieses Gebäudekomplexes werden öffentliche und administrative Tätigkeiten genannt.

Kreuzförmige Gräber

In der Säulengruppe befinden sich die Gräber 1 und 2 mit kreuzförmigem Grundriss. Auch ihre unterirdischen Räume besitzen geometrische Friese. Die aufwendige Gestaltung wird als Hinweis auf Bestattungen hochgestellter Personen gedeutet.

Grupo de la Iglesia (Kirchengruppe)

Die auch als Nordgruppe bezeichnete Anlage umfasst drei Hofkomplexe. Ein Teil wurde durch den Bau der Kirche San Pablo verändert. An einigen Türstürzen sind Fragmente vorspanischer Wandmalereien erhalten. Sie zeigen Figuren und Zeichen im Stil mixtekischer Bilderhandschriften und ergänzen die geometrische Steinornamentik um bildliche Darstellungen.

Grupo del Arroyo (Baugruppe am Bach)

Die Arroyo-Gruppe besteht ebenfalls aus drei Hofanlagen. Erhalten sind große Mauern und Türstürze sowie Spuren roter Bemalung. Teile des Komplexes sind durch jüngere Aufschüttungen und die Bebauung des heutigen Ortes nicht mehr sichtbar.

Grupo del Adobe und Grupo del Sur

Die Adobe- oder Calvario-Gruppe besitzt einen quadratischen Platz mit vier umgebenden Gebäuden Ihre Kerne bestehen aus Lehmziegeln, worauf die Bezeichnung Adobe zurückgeht. Die Südgruppe folgt einem ähnlichen Grundriss, ist durch die Ortsbebauung jedoch nur noch in geringen Resten erhalten.

Museum der archäologischen Stätte

Museo Oaxaqueño de Arqueología Ervin Frissell

Eine Ergänzung zur Besichtigung der archäologischen Stätte bietet das Archäologisches Museum von Oaxaca „Ervin Frissell“. Es befindet sich im Ortszentrum von San Pablo Villa de Mitla, ca. 1 km von der archäologischen Stätte entfernt.

Das Museum widmet sich der vorspanischen Geschichte Oaxacas, insbesondere der zapotekischen Kultur. Das Gebäude im neoklassizistischen Stil wurde im 18. Jahrhundert erbaut. In den 1940er Jahren kaufte Ervin R. Frissel das Anwesen und gründete das Museum für zapotekische Kunst. Die Sammlung umfasst unter anderem Keramik, figürlich gestaltete Graburnen und bearbeitete Steine. Nach einer Umgestaltung wurde die Ausstellung um die Geschichte der Archäologie von Mitla erweitert.

Informationen zum Archäologischen Museum von Oaxaca „Ervin Frissell“

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Zona Arqueológica de Mitla
Camino Nacional,
CP 70430, San Pablo Villa de Mitla, Oaxaca

Öffnungszeiten

Montag bis Sonntag: 8:00 Uhr – 17:00 Uhr

Letzter Einlass: 16:30 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: 210 MXN

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 105 MXN

Tickets können unter dem folgenden Link vorab bei INAH gekauft werden:

Ticketkauf über INAH

Hinweise: Für das unebene, offene Gelände empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser. 

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen Rundgang durch die archäologische Stätte kann man etwa 1 bis 1½ Stunden einplanen. Bei ausführlicher Betrachtung der Ornamente und einer Führung entsprechend länger. 

Führungen: Geführte Rundgänge werden in Spanisch und Englisch angeboten und können direkt vor Ort gebucht werden.

Touren

Zu der archäologischen Stätte werden Touren aus Oaxaca-Stadt angeboten. Die Touren können über lokale Anbieter oder vorab online gebucht werden.

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Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 94.738 8.691 103.429
2024 92.939 10.620 103.559
2023 106.805 9.093 115.898
2022 83.551 6.489 90.040
2021 27.660 3.983 31.643
2020 17.426 4.389 21.815
2019 70.252 17.266 87.518
2018 94.604 14.952 109.556
2017 119.163 9.634 128.797

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Deutsch] | [Englisch] | [Spanisch]

YouTube

Zona Arqueológica de Mitla Oaxaca (Oaxaca-Travel, 1:00 min, 2018)

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