Lambityeco war eine zapotekische Siedlung im Tal von Tlacolula, deren bedeutende Palastanlagen überwiegend aus der späten Klassik, etwa 600–750 n. Chr., stammen. Bekannt ist die archäologische Stätte für ihre Stuckreliefs mit Herrscherpaaren und die großen Darstellungen des Regengottes Cocijo. Salzgewinnung und Handel bildeten wichtige Grundlagen ihrer Wirtschaft.
Geschichte von Lambityeco
Besiedlung und historische Entwicklung
Es gibt mehrere Deutungen des Namens Lambityeco. Eine Deutung geht davon aus, dass „Lambi“ eine Ableitung vom spanischen Wort „alambique“ ist und Destillierapparat bedeutet. Kombiniert mit dem zapotekischen pytec beziehungsweise pityec, was als Hügel übersetzt wird, ergibt sich als Name „Hügel der Alambiques“ bzw. „Hügel der Destillierapparate“. Die Bezeichnung wird auf die Anlagen zum Erhitzen salzhaltigen Wassers bezogen.
Die Anfänge der Besiedlung in der Region reichen bis etwa 750–700 v. Chr. zurück, , vor der Gründung von Monte Albán. Eine Siedlung wurde etwa einen Kilometer von der heutigen archäologischen Zone Lambityeco entfernt lokalisiert und wird als Yegüih bezeichnet. Wann und wie sich die Besiedlung ausbreitete, konnte noch nicht geklärt werden. Die heute sichtbaren Paläste entstanden wesentlich später. Ihre wichtigste Nutzungsphase fällt in die Zeit um 600–750 n. Chr.
Während dieser Blütezeit gehörte Lambityeco zum Einflussbereich Monte Albáns. Die Palastanlagen dienten den örtlichen Herrscherfamilien und hohen Priestern als Wohnsitz sowie für administrative und religiöse Aufgaben. Über mehrere Generationen wurden sie erweitert und umgestaltet. Die zugehörigen Gräber und ihre Beigaben geben Einblicke in die gesellschaftlichen Rangunterschiede und die Bedeutung des Ahnenkults.
Um 850 n. Chr. wurde Lambityeco weitgehend aufgegeben. Die Forschung vermutet einen Zusammenhang mit dem Zerfall der politischen Ordnung Monte Albáns und den damit einhergehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen im Tal von Oaxaca. Welche Umstände die Bewohner konkret zum Verlassen der Siedlung veranlassten, ist bislang ungeklärt.
Salzgewinnung und Handel
Während der späten Klassik, etwa 600–750 n. Chr., war Lambityeco das wichtigste Zentrum der Salzproduktion im Tal von Oaxaca und ein bedeutender Handelsort. Nach Angaben des INAH lieferte die Siedlung schätzungsweise bis zu 90 % des im Tal konsumierten Salzes.
Die Grundlage bildeten salzhaltige Böden und ein Salzsumpf südlich der Siedlung. Solche Vorkommen entstehen, wenn Wasser Mineralsalze aus Gesteinen und Böden löst und sich in Geländesenken sammelt. Durch Verdunstung konzentrieren sich die Salze im Wasser und lagern sich im Boden ab.
Zur Gewinnung wurde Wasser durch die salzhaltige Erde geleitet und die entstehende Sole aufgefangen. Anschließend kochten die Bewohner die Sole in großen Keramikgefäßen über Feuerstellen ein, bis das Wasser verdampft war und Salz zurückblieb. Bei Ausgrabungen wurden entsprechende Siedegefäße, Feuerstellen und Becken entdeckt.
Das Salz wurde innerhalb des Tals von Oaxaca gehandelt und bildete eine wichtige wirtschaftliche Grundlage Lambityecos. Diese traditionelle Methode der Salzgewinnung wurde in der Gegend noch bis in die 1940er-Jahre angewandt.
Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung
Die archäologische Zone von Lambityeco wird seit den 1960er Jahren erforscht. Bis heute konnten rund 200 architektonische Strukturen identifiziert werden und es wurden 31 Gräber entdeckt. In den 1970er Jahren wurden zwei Hektar der Stätte für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wobei nur zwei Hügel vollständig ausgegraben wurden. Der Großteil der zapotekischen Siedlung ist auch heute noch unter der Erde verborgen.
Neuere Forschungen widmeten sich seit den 2010er-Jahren weiteren Bereichen des einstigen zeremoniellen Zentrums. Seit 2013 führt das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) auch Ausgrabungsarbeiten zwischen Lambityeco und Yegüih durch. 2016 wurde über die Entdeckung eines großen Steins mit einer Krokodildarstellung, der ursprünglich wahrscheinlich zu einer Tempeltreppe gehört hatte, berichtet.
Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde
Casa del Coqui – Struktur 195
Bei dem „Haus des Herrschers“, das als Struktur 195 bezeichnet wird, handelt es sich um eine Residenz des zapotekischen Adel, die aus mehrern Räumen besteht, die sich um zwei Innenhöfe gruppieren. Das Gebäude diente sowohl als Wohnhaus als auch repräsentativen und administrativen Aufgaben.
Besonders bedeutend sind die Stuckfriese eines Altars auf der Ostseite. Sie zeigen Reliefs der Herrscher und ihrer Ehefrauen mit aufwendiger Kleidung und Schmuck. Einige männliche Personen halten einen menschlichen Oberschenkelknochen. Die Forschung deutet diese Darstellungen als Bezug auf verstorbene Vorfahren und die erbliche Legitimation der Herrschaft.
Unterhalb des Altars liegt Grab 6, die über mehrere Generationen genutzte Bestattungsstätte der Herrscherfamilie. Im Grab unter dem Altar konnten die menschlichen Überreste von sechs Personen und weit über 100 Grabbeigaben geborgen werden.
Casa de los Sacerdotes – Struktur 190
Das „Haus der Priester“ liegt in unmittelbarer Nähe und wird als Struktur 190 bezeichnet. Auch dieser Palast umfasst zwei Hofbereiche mit angrenzenden Räumen. Er wird als Residenz eines hohen Priesters und als Ort religiöser und administrativer Aufgaben interpretiert.
Die bekanntesten Ausstattungselemente sind zwei große Stuckdarstellungen des zapotekischen Regengottes Cocijo. Sie schmücken eine Treppe, die von einem der Innenhöfe in einen höher gelegenen Raum führt. Die plastisch ausgearbeiteten Gesichter tragen reichen Kopfschmuck und religiöse Attribute. Zur Palastanlage gehört außerdem Grab 2, das als Bestattungsstätte der Priesterfamilie gedeutet wird. Es enthielt die menschlichen Überreste von sieben Personen und ebenfalls zahlreiche Grabbeigaben.
Temazcal und weitere Gebäudereste
Zum untersuchten Palastbereich gehören außerdem Überreste von Schwitzbädern, sogenannten Temazcales. Solche Anlagen ergänzten die Wohn- und Ritualbereiche. Der freigelegte Ausschnitt ist nur ein kleiner Teil der einstigen Siedlung, zahlreiche weitere Gebäude werden noch unter den Hügeln im Gelände vermutet.
Grabbeigaben und weitere Funde
Neben den Palastgräbern wurden auch Bestattungsstätten unter einfacheren Wohnhäusern untersucht. Unterschiede in Größe, Ausstattung und Anzahl der Beigaben lassen die gesellschaftlichen Rangunterschiede erkennen. Zu den geborgenen Objekten gehören verzierte Keramikgefäße, Räuchergefäße, Schmuck und bearbeitete Knochen. Besonders bekannt ist Lambityeco für seine figürlich gestalteten Urnen und die in einigen Gräbern erhaltenen Malereien. Die gefundenen Grabbeigaben werden nicht in Lambityeco ausgestellt, sondern sind in verschiedenen Museen in Oaxaca verteilt.
Besuch und praktische Informationen
Adresse
Zona Arqueológica Lambityeco
Carr. Federal Núm. 190
CP 70404 Tlacolula de Matamoros, Oaxaca
Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 8:00 Uhr – 17:00 Uhr
Letzter Einlass: 16:30 Uhr
Eintritt
Erwachsene international: 145 MXN
Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 80 MXN
Hinweise: Für das offene Gelände empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser.
Besuch und Führungen
Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch die archäologische Stätte kann man etwa 45 bis 60 Minuten einplanen.
Führungen: Geführte Rundgänge werden nicht angeboten.
Besucherzahlen der archäologischen Stätte
Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.
Linkhinweise und Quellen
Informationen zur archäologischen Stätte
INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]
SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]
Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Englisch] | [Spanisch]
YouTube
Lambityeco, Oaxaca. Zona Arqueológica. (1:16 min, 2010)Artikelempfehlungen
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