Archäologische Stätte „Huijazoo“ (Cerro de la Campana)

Foto: INAH

Huijazoo war ein bedeutendes zapotekisches Herrschaftszentrum im Tal von Etla, dessen Blütezeit etwa zwischen 300 und 800 n. Chr. lag. Die auch als Cerro de la Campana bekannte Stätte umfasst Terrassen, Plätze und Gebäudereste, die sich über mehrere Hügel erstrecken. Besonders bedeutend für die archäologische Forschung ist die reich ausgestattete Grabanlage 5. Sie gilt als einer der aufwendigsten Grabbauten der zapotekischen Kultur.

Geschichte von Huijazoo

Besiedlung und historische Entwicklung

Der Name Huijazoo wird als „Kriegsfestung“ übersetzt und weist vermutlich auf die strategisch günstige Lage der Siedlung hin. Sie erstreckte sich über den Cerro de la Campana zwischen den heutigen Orten Santiago Suchilquitongo und San Pablo Huitzo. Von den Hügeln ließen sich das Tal von Etla und die Wege überblicken und kontrollieren, auf denen Händler mit ihren Waren die Region durchquerten.

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. gewann Huijazoo an Bedeutung. Seine Blütezeit lag in der klassischen Periode, etwa zwischen 300 und 800 n. Chr. In dieser Zeit entstanden Paläste, Heiligtümer und öffentliche Plätze. Für den Bau der Wohnhäuser und repräsentativen Gebäude legten die Bewohner an den Hängen Terrassen an und schütteten Teile des Geländes auf.

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass sich die Siedlung über etwa 95 Hektar erstreckte. Für das 8. Jahrhundert wird ihre Bevölkerung auf rund 4.000 Menschen geschätzt.

Die örtliche Herrscherfamilie übte Macht über den nördlichen Teil des Tals von Etla aus. Ihr Wohlstand und ihr gesellschaftlicher Rang spiegeln sich besonders in der aufwendigen Gestaltung von Grab 5 wider. Gegenüber dem mächtigen Monte Albán konnte Huijazoo offenbar eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Es wird vermutet, dass Heiratsallianzen zwischen den Herrscherfamilien dazu beitrugen, Rivalitäten zwischen beiden Städten auszugleichen.

Gegen Ende der klassischen Periode verlor Huijazoo an Bedeutung und wurde nach und nach verlassen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Angehörige der Herrscherfamilie Grab 5 noch im 10. Jahrhundert betraten und einen Großteil der Gebeine und Grabbeigaben entnahmen. Vermutlich nahmen sie diese mit, um ihre Vorfahren an einem neuen Wohnort weiter zu verehren. Wohin sie übersiedelten, ist nicht bekannt.

Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung

Die archäologischen Untersuchungen Huijazoos begannen bereits vor der Entdeckung von Grab 5. Für 1983 und 1984 sind Berichte über Feldarbeiten dokumentiert. Im November 1985 erforschten Archäologen des INAH die reich ausgestattete Grabanlage, deren Architektur, Wandmalereien und Inschriften den Ort überregional bekannt machten.

Nach der Öffnung des Grabes waren umfangreiche Schutzmaßnahmen notwendig. Feuchtigkeit, Salzausblühungen und instabile Stuckschichten gefährdeten die Ausstattung. Von 1987 bis 1988 arbeiteten Fachleute verschiedener Disziplinen an ihrer Konservierung und Restaurierung.

Weitere Forschungen widmeten sich der Deutung der Bild- und Schriftzeugnisse. Insbesondere Javier Urcid und Bernd Fahmel Beyer untersuchten die genealogischen Darstellungen und ihre Bedeutung für die Geschichte der örtlichen Herrscherfamilie.

Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde

Zeremonielles Zentrum und Palastbereich

Im höchstgelegenen Teil der Siedlung befinden sich die Überreste des zeremoniellen und administrativen Zentrums. Dazu gehören gestufte Pyramidenunterbauten, rechteckige Plattformen und Gebäudekomplexe um Höfe und Plätze. Die Überreste eines Ballspielplatzes sind ebenfalls noch vorhanden.

Auf den benachbarten Hängen wurden Wohnterrassen und steinerne Hausfundamente festgestellt. Hier fanden sich auch Gefäße und Werkzeuge des täglichen Gebrauchs.

Gebäude 1 und Grab 5

Unter Gebäude 1 liegt die unterirdische Grabanlage 5 mit einem Eingangsbereich, einer Vorkammer und der eigentlichen Grabkammer. Bemalte Türstürze und große Stuckmasken schmücken die Übergänge zwischen den Räumen. Die steinernen Türpfosten zeigen vornehm gekleidete Personen mit aufwendigem Kopfschmuck, die als Angehörige der Herrscherfamilie beziehungsweise als deren Vorfahren gedeutet werden.

Zur Ausstattung gehört außerdem eine kleine Stele mit Figuren und Schriftzeichen. Ihre Darstellungen werden als Aufzeichnungen über die örtliche Dynastie interpretiert, darunter die Weitergabe der Herrschaft und rituelle Opfergaben.

Grab 5 bleibt zum Schutz seiner empfindlichen Ausstattung für den regulären Besuch geschlossen. Eine Nachbildung, einige Grabbeigaben sowie Fotografien werden im Gemeindemuseum in Santiago Suchilquitongo ausgestellt. Weitere Funde befinden sich im Anthropologischen Museum in Mexiko-Stadt und im Museum für Archäologie in Mitla.

Wandmalereien und genealogische Darstellungen

Die Wandmalereien zeigen Prozessionen mit reich gekleideten Personen, darunter Darstellungen, die als Priester, Krieger und Ballspieler interpretiert werden. Sie geben Einblicke in Bestattungszeremonien und die religiösen Vorstellungen der Zapoteken.

Zusammen mit den Darstellungen an den Türpfosten und den Inschriften dokumentieren sie die Bedeutung der Ahnenverehrung für die Herrscherfamilie. Nach einer Deutung Javier Urcids lässt sich eine Abfolge von acht Generationen über mindestens 175 Jahre nachvollziehen. Die Erinnerung an diese Vorfahren diente zugleich dazu, den erblichen Herrschaftsanspruch ihrer Nachkommen zu begründen.

Museum der archäologischen Stätte

Museo Comunitario Huijazoo (Cerro de la Campana)

Eine Nachbildung von Grab 5, einige Grabbeigaben sowie Fotografien werden im Gemeindemuseum Cerro de la Campana im Zentrum von Santiago Suchilquitongo ausgestellt. Sie vermitteln einen Eindruck von der Ausstattung der für Besucher geschlossenen Grabanlage. Das Museum entstand auf Initiative der Gemeinde nach der Entdeckung von Grab 5 und wurde 1989 eröffnet.

Neben der Archäologie zeigt das Museum Fotografien, Dokumente und Exponate zur Ortsgeschichte und zu den religiösen Festen der Gemeinde. Ein weiterer Raum widmet sich dem traditionellen Handwerk, insbesondere der Verarbeitung von Schilfrohr und dem Steinmetzhandwerk.

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Zona Arqueológica Huijazoo
CP 68220 San Pablo Huitzo, Oaxaca

Museo Comunitario Huijazoo (Cerro de la Campana)
Plaza Cívica, Centro
CP 68230 Santiago Suchilquitongo, Oaxaca
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Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 17:00 Uhr

Letzter Einlass: 16:00 Uhr

Gemeindemuseum: täglich von 10:00 bis 14:00 Uhr und von 16:00 bis 18:00 Uhr

Eintritt

Freier Eintritt für die archäologische Stätte und das Museum.

Hinweise: Für das unebene, offene Gelände empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser. 

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen Rundgang durch die archäologische Stätte Huijazoo kann man etwa 45 bis 60 Minuten einplanen. Für die Besichtigung des etwa 3,5 km entfernten Gemeindemuseum in Santiago Suchilquitongo braucht man etwa 30 bis 45 Minuten.

Führungen: Geführte Rundgänge werden nicht angeboten.

Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 2.957 12 2.969
2024 3.050 156 3.206
2023 4.464 359 4.823
2022 4.059 155 4.214
2021 geschlossen
2020 480 88 568
2019 5.185 489 5.674
2018 3.450 101 3.551
2017 4.330 158 4.488

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Englisch] | [Spanisch]

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