Mexikanische Küche – Tamales

Quelle: Mexico-Info

Tamales gehören zu den ältesten und traditionsreichsten Gerichten Mexikos. Bereits in präkolumbianischer Zeit wurden die gefüllten Maisteigpäckchen bei religiösen Zeremonien, Festen und auf Reisen verzehrt. Bis heute sind Tamales ein fester Bestandteil der mexikanischen Alltags- und Festtagsküche. Je nach Region unterscheiden sie sich in Zutaten, Füllungen, Blättern und Zubereitungsarten und spiegeln damit die große kulinarische Vielfalt Mexikos wider.

Herkunft und Geschichte

Tamales haben ihre Ursprünge in der mesoamerikanischen Geschichte und wurden vermutlich zwischen den Jahren 800 und 600 v. Chr. entwickelt. Sie waren ein fester Bestandteil der Ernährung und Kultur indigener Zivilisationen, darunter die Maya, Azteken und andere mesoamerikanische Völker. Ihre Bedeutung geht weit über ihre Rolle als Nahrungsmittel hinaus und umfasst rituelle, soziale und kulturelle Aspekte.

Das Wort „Tamal“ stammt aus dem Nahuatl, der Sprache der Azteken, und leitet sich von „tamalli“ ab, was so viel wie „eingewickelt“ bedeutet. Dieser Name bezieht sich auf die typische Zubereitungsart: Die Maismasse und die Füllung werden in Blätter eingewickelt, bevor sie gedämpft werden.

Frühe Formen der Tamales bestanden vermutlich aus Maismasse, die in Blätter eingewickelt und gegart wurde. Je nach Region kamen dabei unterschiedliche Pflanzenblätter zum Einsatz.. Als Füllung wurden verschiedene Fleischsorten verwendet, darunter Fisch, Geflügel, Wild und auch Schildkröten und Leguane. Speziell bei den Maya wurden die Tamales in Erdöfen gegart, die in der Maya-Region als „Pib“ bekannt sind.

Archäologische Funde aus Palenque, Chiapas, zeigen, dass Tamales nicht nur ein Grundnahrungsmittel waren, sondern auch ein Symbol von Status und Wohlstand. Darstellungen auf Stelen belegen, dass Tamales in der Oberschicht serviert wurden, oft auf speziell dafür vorgesehenen Tellern.

Die Rolle der Tamales in religiösen Zeremonien ist gut dokumentiert. In den Codices von Madrid und Dresden, wichtigen Schriften der Maya, wird erwähnt, dass Tamales als Opfergabe an die Götter dargebracht wurden. Dies zeigt ihre Bedeutung in den rituellen Praktiken mesoamerikanischer Kulturen. Sie wurden oft während Erntefeiern, zur Ehrung der Maisgötter oder bei wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen zubereitet.

Eine praktische Rolle spielten Tamales auch während Kriegen und Reisen. Die eingewickelten Maisteigrollen waren leicht zu transportieren und lange haltbar. Für Krieger und Händler, die über weite Strecken durch das Netz der Handelsrouten zogen, waren Tamales die perfekte Mahlzeit. Sie konnten kalt oder warm verzehrt werden und boten eine nahrhafte, energiereiche Nahrung.

Mit der Ankunft der Spanier blieben Tamales ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Die Kolonialzeit führte zur Verschmelzung von indigenen und europäischen Zutaten. So wurden zum Beispiel neue Fleischsorten wie Schweinefleisch und Gewürze in die Tamales-Rezepte integriert.

Heutzutage sind Tamales weit mehr als nur ein Gericht, sie stehen für Familientradition und Gemeinschaft. Ihre Zubereitung ist oft eine gemeinschaftliche Aktivität, bei der die Familie zusammenkommt, um die Teigmasse zuzubereiten, die Blätter zu füllen und die Tamales zu formen. Dieses Ritual, bekannt als „tamalada“, stärkt familiäre Bindungen und wird oft an Feiertagen wie Weihnachten oder dem Día de la Candelaria (Lichtmess) gepflegt.

Besonders am Día de la Candelaria (2. Februar) sind Tamales unverzichtbar. Wer am 6. Januar im Rosca de Reyes (ein Kuchen zum Dreikönigstag) eine kleine Jesusfigur findet, ist traditionell verpflichtet, am Día de la Candelaria Tamales zu spenden und zu teilen. Auch bei Hochzeiten, Taufen und Totenfesten werden Tamales oft als Gericht serviert.

Herstellung und Zutaten

Die Herstellung von Tamales ist ein handwerklicher Prozess, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde und starke regionale Unterschiede aufweist. Das Grundprinzip bleibt jedoch überall gleich: Tamales bestehen aus einer Grundmasse und einer Füllung, die in Blätter gewickelt und gedämpft wird.

Tamales gibt es sowohl in herzhaften als auch in süßen Varianten. Herzhafte Tamales sind oft mit Fleisch (Huhn, Schwein, Rind) gefüllt und mit Salsas (rote oder grüne Chilisaucen) gewürzt. Andere herzhafte Varianten enthalten Gemüse und Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Süße Tamales hingegen werden mit Zutaten wie Rosinen, Trockenfrüchten, Schokolade oder Ananas verfeinert. Oft wird dem Teig Zucker zugesetzt, und sie können in leuchtenden Farben eingefärbt sein, was sie besonders bei Festen beliebt macht.

Jede Region Mexikos hat ihre eigene Version von Tamales, die sich durch Zutaten, Zubereitung und Präsentation unterscheiden. In der Region Oaxaca werden Tamales oft in Bananenblättern zubereitet, während in der zentralen Region Mexikos überwiegend Maisblätter verwendet werden.

Die Grundzutaten und Schritte für die Zubereitung von Tamales umfassen:

Der Maisteig

Der Teig wird traditionell aus Nixtamal-Mais hergestellt. Nixtamalisation ist ein Verfahren, bei dem Maiskörner in Kalkwasser gekocht werden, um die Schale besser lösen zu können. Anschließend werden die Maiskörner gemahlen. Das Maismehl wird mit Hühnerbrühe oder Wasser, Schmalz (oder eine pflanzliche Alternative) und Salz vermischt, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Die Blätter

Die Teigmasse wird anschließend etwa 1 cm dick auf die vorbereiteten Blätter gestrichen. Traditionell werden Maisblätter verwendet, manchmal auch Bananenblätter. Sie verleihen den Tamales Aroma und halten die Zutaten während des Dampfens zusammen. Die Blätter werden vorher in Wasser eingeweicht, damit sie formbarer werden. Vor der Benutzung werden sie trocken getupft.

Die Füllungen

Auf die Teigmasse wird ein Löffel der vorbereiteten Füllung in der Mitte verteilt und das Maisblatt wird zur Mitte gefaltet, sodass die Füllung vollständig bedeckt ist. Anschließend wird die Unterseite nach oben gefaltet, so dass ein Bündel entsteht. Zu den herzhaften Füllungen zählen klein geschnittenes geschmortes Fleisch und / oder zerkleinertes Gemüse. Für die süßen Füllungen werden Rosinen, Früchte und Schokolade verwendet.

Das Dämpfen

Tamales werden in einem speziellen Dampfgarer, der Tamalera, gegart. Alternativ kann auch ein großer Topf mit Dampfeinsatz verwendet werden. Die Garzeit beträgt etwa 60 bis 90 Minuten. Die Tamales sind fertig, wenn sich der Teig leicht vom Blatt löst.

Servieren

Die Tamales werden heiß serviert. Als Beilagen werden frittierte Kochbananen, Reis oder schwarze Bohnenpaste angeboten sowie Schalen mit roter und grüner Soße, zerkrümelter Käse, frische Limetten und eingelegte rote Zwiebeln.

Typische Tamales-Gerichte

Tamales gehören zu den vielseitigsten Gerichten der mexikanischen Küche. Je nach Region unterscheiden sich Zutaten, Form, Größe und Zubereitung deutlich. Einige Varianten werden in Maisblättern gedämpft, andere in Bananenblättern gegart oder traditionell in Erdöfen zubereitet. Die große Vielfalt der Tamales spiegelt die regionalen Küchen und kulinarischen Traditionen Mexikos wider.

  • Tamales Oaxaqueños
    Große Tamales aus Oaxaca, die traditionell in Bananenblätter gewickelt werden. Sind sie mit Hühner- oder Schweinefleisch gefüllt und werden mit Mole-Soße serviert. Sie besitzen durch die Bananenblätter einen besonderen aromatisches Geschmack.
  • Tamales verdes / Tamales rojos
    Diese Tamales wird meist mit Huhn gefüllt, und anschließend mit grüner oder roter Chilisoße serviert. Es gibt auch Varianten, bei denen das Huhn bereits mit grüner und roter Chilisoße gegart wird.
  • Tamales de Papa
    Tamales mit einer Füllung aus gewürzten Kartoffeln, teilweise kombiniert mit Käse, grünen Chilis oder Salsa. Diese Variante ist besonders in Zentral- und Nordmexiko verbreitet und zählt zu den beliebten vegetarischen Tamales-Arten.
  • Tamales de Rajas con Queso
    Vegetarische Tamales mit Streifen gerösteter Chilis (Rajas) und Käsefüllung. Häufig werden milde Poblano-Chilis verwendet. 
  • Tamales Dulces
    Süße Tamales mit Zucker, Rosinen, Zimt, Ananas oder anderen Früchten. Manche Varianten sind rosa eingefärbt und besonders bei Festen und Familienfeiern beliebt.

Regionale Besonderheiten

  • Zacahuil
    Der Zacahuil ist eine traditionelle Tamales-Spezialität der Huasteca-Region, die sich über Teile der Bundesstaaten Hidalgo, San Luis Potosí, Veracruz, Tamaulipas, Puebla und Querétaro erstreckt. Er gilt als einer der größten Tamales Mexikos und kann mehrere Meter Länge erreichen. Aufgrund seiner Größe wird er meist für große Familienfeiern, Dorffeste oder religiöse Veranstaltungen gemeinschaftlich zubereitet. Der Name „Zacahuil“ stammt vermutlich aus den indigenen Sprachen der Huasteca-Region und wird häufig sinngemäß mit „großer Tamal“ oder „großer eingewickelter Maisteig“ in Verbindung gebracht. Die Füllung besteht aus Maiteig, mit Schweinefleisch, Huhn oder Truthahn,  Chilis und Gewürzen. Anschließend wird der Zacahuil in große Bananenblätter eingewickelt und mehrere Stunden in einem Erdofen oder großen Holzofen gegart.
  • Tamales Corundas
    Corundas sind eine traditionelle Tamales-Spezialität aus dem Bundesstaat Michoacán und gehören zu den bekanntesten Gerichten der Purépecha-Küche. Im Unterschied zu anderen Tamales besitzen Corundas eine dreieckige oder pyramidenförmige Form, die durch das besondere Falten der Maisblätter entsteht. Die Füllung besteht traditionell aus Huhn oder Schweinefleich oder auch Gemüse.

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur Mexikanischen Küche

SIC México Gastronomía en México: Offizielle Übersicht der mexikanischen Gastronomie nach Bundesstaaten mit regionalen Küchen und kulturellen Hintergründen.
[Spanisch]

Wikipedia
Informationen über Tamales
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