Frisch zubereitete Säfte gehören in Mexiko zum alltäglichen Getränkeangebot und werden besonders häufig zum Frühstück getrunken. Neben frisch gepresstem Orangen- oder Grapefruitsaft sind Mischungen aus verschiedenen Früchten und Gemüse weit verbreitet. Angeboten werden diese Säfte an Marktständen, in kleinen Saftläden (Juguerías), Restaurants und an Straßenständen. Zu den bekannten Varianten zählen unter anderem jugo verde und Antigripal, deren Zutaten je nach Region und Anbieter unterschiedlich zusammengesetzt sein können.
Geschichte und Entwicklung
Vorspanische Zeit
In vorspanischer Zeit wurden in Mesoamerika zahlreiche einheimische Früchte genutzt, darunter Tunas (Kaktusfeigen), Guaven, Kapulinen (Kirschenart), verschiedene Sapotes, Mamey, Papaya und Pitahaya. Sie wurden frisch gegessen oder zu unterschiedlichen Speisen und Getränken verarbeitet. Auch die Gewinnung von Fruchtsaft war bekannt. Aus dem Saft von Tunas wurde beispielsweise das fermentierte Getränk Nochoctli hergestellt. Ob frisch ausgepresste Fruchtsäfte bereits als eigenständige Getränke konsumiert wurden, ist dagegen nicht belegt. Die überlieferten Getränke basierten vor allem auf Mais, Kakao, Agave sowie mit Wasser oder durch Fermentation zubereiteten Pflanzen und Früchten.
Kolonialzeit
Mit der spanischen Eroberung gelangten zahlreiche neue Obst- und Gemüsearten nach Neuspanien. Besonders wichtig waren Zitrusfrüchte wie Orangen, Zitronen und Limetten, deren Anbau sich bereits im 16. Jahrhundert ausbreitete. Daneben wurden unter anderem Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Weintrauben sowie Gemüse wie Karotten, Spinat und Rote Bete eingeführt. Über den transpazifischen Handel mit den Philippinen kamen später weitere asiatische Pflanzen wie Mango und Tamarinde hinzu. Damit erweiterte sich die Auswahl an Früchten und Gemüse, aus denen sich in späterer Zeit die heute bekannten Säfte und Saftmischungen entwickeln konnten.
19. und 20. Jahrhundert
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Obstbau in Mexiko zunehmend für den regionalen und überregionalen Handel ausgebaut. Eine besondere Bedeutung erlangten Zitrusfrüchte. In Nuevo León begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts der kommerzielle Anbau von Orangen in größerem Umfang. Die bessere Verkehrsanbindung und der Ausbau des Eisenbahnnetzes erleichterten den Transport der Früchte.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden frisch zubereitete Fruchtsäfte zunehmend Bestandteil des städtischen Getränkeangebots. In Mexiko-Stadt entstanden die ersten Juguerías (Saftläden). Ein bis heute bekanntes Beispiel ist die 1940 von der Familie Bernal gegründete Juguería María Cristina. Sie gilt als eine der traditionsreichsten Juguerías im historischen Zentrum. Später eröffnete die Familie weitere Saftläden in der Stadt.
Parallel entwickelte sich die industrielle Herstellung und Abfüllung von Fruchtsäften und Nektaren. Die Firma Jugos Del Valle wurde 1947 gegründet und produzierte zunächst Traubensaft. 1968 nahm das Unternehmen in Tepotzotlán eine Anlage zur Herstellung von Säften und Nektaren in Betrieb. Jumex wurde 1961 gegründet und begann mit der Verarbeitung von Früchten sowie der Herstellung von Säften und Nektaren.
Gegenwart
Frisch zubereitete Säfte gehören auch heute zum mexikanischen Alltag. Juguerías, Marktstände, Frühstückslokale und Restaurants bieten neben klassischen Sorten wie Orangen-, Grapefruit- oder Karottensaft zahlreiche Mischungen aus Obst und Gemüse an. Besonders verbreitet sind Kombinationen mit Zutaten wie Roter Bete, Sellerie, Gurke, Nopal oder grünem Blattgemüse.
Daneben gibt es in Supermärkten und Lebensmittelgeschäften eine große Auswahl industriell hergestellter Säfte (jugos), Nektare (néctar) und Fruchtgetränke (bebidas con fruta), wobei ein Produkt nur als jugo bezeichnet werden darf, wenn sein Saftanteil 100 Prozent beträgt.
Zutaten und Zubereitung
Für mexikanische Säfte wird eine große Auswahl an Früchten und Gemüse verwendet. Neben einzelnen Fruchtsorten sind Mischungen verbreitet, deren Zusammensetzung von einfachen Kombinationen aus zwei oder drei Zutaten bis zu Säften mit mehreren Obst- und Gemüsearten reicht. Zutaten und Herstellungsweise unterscheiden sich dabei zwischen frisch zubereiteten Jugos und industriell abgefüllten Säften, Nektaren und Fruchtgetränken.
Frisch zubereitete Säfte
Für frisch zubereitete Säfte werden vor allem Orangen, Grapefruits, Ananas, Äpfel und Guaven sowie Gemüse wie Karotten, Rote Bete, Sellerie und Gurken verwendet. Typische Mischsäfte enthalten außerdem Nopal, Spinat, Petersilie oder andere grüne Zutaten. Häufig bildet Orangen- oder Grapefruitsaft die Grundlage, die mit weiteren Frucht- und Gemüsesäften gemischt wird. Zitrusfrüchte werden ausgepresst, festere Früchte und Gemüse in einem Saft- oder Fruchtextraktor verarbeitet. Einige Mischungen werden im Mixer zubereitet und anschließend gesiebt.
Industriell hergestellte Säfte, Nektare und Fruchtgetränke
Für industriell abgefüllte Säfte werden Früchte oder Gemüse ausgepresst beziehungsweise maschinell extrahiert. Der gewonnene Saft kann anschließend je nach Produkt unter anderem gefiltert, geklärt und weiter behandelt werden. Neben direkt verarbeitetem Saft können auch gefrorener Saft oder Konzentrate verwendet werden.
Nach der mexikanischen Norm NOM-173-SE-2021 muss ein als Jugo bezeichnetes Getränk einen Saftanteil von 100 Prozent besitzen. Zugesetzter Zucker, Süßstoffe, Farbstoffe, Aromastoffe, Verdickungsmittel und Säuerungsmittel sind bei diesen Produkten nicht zulässig. Ein Néctar wird dagegen aus Saft, Fruchtfleisch oder Fruchtpüree hergestellt und darf zusätzlich Wasser, Zucker oder Süßungsmittel enthalten. Der vorgeschriebene Mindestanteil an Frucht unterscheidet sich je nach verwendeter Frucht. Bei anderen Fruchtgetränken ist der Fruchtanteil geringer.
Die wichtigsten Getränkemarken und ihre Hersteller
In Mexiko werden industriell hergestellte Säfte, Nektare und Fruchtgetränke von mehreren großen und traditionsreichen Unternehmen angeboten. Einige Marken bestehen bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts und sind heute landesweit in Supermärkten, Lebensmittelgeschäften und kleinen Läden erhältlich. Zum Sortiment gehören sowohl Säfte, als auch Nektare und Getränke mit geringerem Fruchtanteil.
Grupo Jumex
Die Geschichte des mexikanischen Grupo Jumex begann 1961 mit der Verarbeitung und Abfüllung von Pfirsichen. Zunächst wurde das Produkt unter der Bezeichnung Frugo verkauft. 1964 wurde die Marke Jumex registriert. Das Unternehmen erweiterte sein Sortiment in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich. Heute umfasst das Angebot verschiedene Fruchtsäfte, Nektare und Fruchtgetränke, darunter Produkte aus Orange, Apfel, Mango, Guave, Pfirsich und Ananas.
Grupo JumexJugos Del Valle-Santa Clara und Del Valle
Jugos Del Valle wurde 1947 von Luis Cetto gegründet und produzierte zunächst ausschließlich Traubensaft. 1968 nahm das Unternehmen in Tepotzotlán eine Produktionsanlage für Säfte und Nektare in Betrieb. Seit 2007 gehört Jugos Del Valle zur Industria Mexicana de Coca-Cola und firmiert heute gemeinsam mit Santa Clara als Jugos Del Valle-Santa Clara.
Die bekannteste Saftmarke des Unternehmens ist Del Valle. Das Sortiment umfasst unter anderem 100-prozentigen Orangen- und Apfelsaft sowie Nektare, Getränke mit Fruchtfleisch und weitere Fruchtgetränke.
Jugos Del Valle-Santa ClaraCooperativa Pascual und Boing!
Die Ursprünge des mexikanischen Getränkeherstellers Pascual reichen bis in die 1940er-Jahre zurück. Nach einem langjährigen Arbeitskonflikt wurde das Unternehmen von den Beschäftigten übernommen und als Sociedad Cooperativa Trabajadores de Pascual neu organisiert. Zu den bekanntesten Marken gehört Boing!. Das Fruchtgetränk wird unter anderem in den Sorten Mango, Guave, Tamarinde, Apfel, Erdbeere und Traube angeboten. Zum Sortiment der Genossenschaft gehören weitere Fruchtgetränke, Nektare und Erfrischungsgetränke.
Cooperativa PascualValle Redondo
Das mexikanische Familienunternehmen Valle Redondo wurde 1964 von Luis Ferruccio Cetto in Aguascalientes gegründet. Ursprünglich lagen die Schwerpunkte auf Wein, Traubenprodukten und Säften, inzwischen produziert und vertreibt das Unternehmen eine breite Palette alkoholischer und alkoholfreier Getränke.
Zum alkoholfreien Sortiment gehören Jugos Natura mit 100-prozentigen Fruchtsäften, die Nektarmarke Sonrisa, Frutas Selectas sowie Frutté, ein kohlensäurehaltiger Fruchtsaft. Valle Redondo produziert außerdem Fruchtkonzentrate.
Valle RedondoFlorida 7
Florida 7 entstand als Saftmarke des mexikanischen Lebensmittelunternehmens Zano Alimentos und war seit den 1980er-Jahren auf dem mexikanischen Markt vertreten. Zum Sortiment gehörten unter anderem Orangen- und Grapefruitsäfte sowie Fruchtmischungen. 1999 wurde das Geschäft in die neu gegründete Florida7, S.A. de C.V. ausgegliedert. Bereits 2000 übernahm Jugos Del Valle die Marke. Seit der Eingliederung von Jugos Del Valle in das mexikanische Coca-Cola-System im Jahr 2007 gehört Florida 7 zu dessen Getränkeportfolio. Heute werden unter der Marke verschiedene Fruchtgetränke angeboten.
Die wichtigesten Marken und Hersteller
| Marke | Hersteller | Produktart | Typische Sorten / Produkte |
| Jumex | Grupo Jumex | Säfte, Nektare und Fruchtgetränke | Orange, Apfel, Mango, Guave, Pfirsich, Ananas |
| Del Valle | Jugos Del Valle-Santa Clara / Coca-Cola | 100-%-Säfte, Nektare und Fruchtgetränke | Orange, Apfel, Mango, Guave, Pfirsich, Ananas |
| Florida 7 | Jugos Del Valle-Santa Clara / Coca-Cola | Fruchtgetränke | Apfel, Traube, Orange, Ananas, Mango, Pfirsich |
| Boing! | Cooperativa Pascual, S.C.L. | Fruchtgetränke und Nektare | Mango, Guave, Tamarinde, Apfel, Erdbeere, Traube |
| Jugos Natura | Valle Redondo | 100-%-Fruchtsäfte | verschiedene Fruchtsorten |
| Sonrisa | Valle Redondo | Nektare | verschiedene Fruchtsorten |
Linkhinweise und Quellen
Informationen zur Mexikanischen Küche
Secretaría de Economía / Diario Oficial de la Federación
Zu den gesetzlichen Definitionen und Anforderungen für Säfte, Nektare und Fruchtgetränke in Mexiko
Procuraduría Federal del Consumidor (Profeco)
Zu Zusammensetzung, Qualität und industrieller Herstellung von Säften und Nektaren
Fideicomiso Centro Histórico de la Ciudad de México
Zur Geschichte traditioneller Juguerías und zur Entwicklung frisch zubereiteter Säfte in Mexiko-Stadt
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