Archäologische Stätte „Tizatlán“

Quelle: INAH

Tizatlán war eines der vier führenden vorspanischen Herrschaftsgebiete von Tlaxcallan und spielte 1519 eine wichtige Rolle beim Bündnis der Tlaxcalteken mit Hernán Cortés. Die archäologische Stätte liegt auf einer künstlich angelegten Terrasse am unteren Hang des Cerro Oztotl, auch Cerro Blanco genannt, im heutigen San Esteban Tizatlán bei Tlaxcala de Xicohténcatl. Sie ist vor allem für ihre beiden bemalten Altäre bekannt. Zum historischen Ensemble gehören außerdem eine offene Kapelle aus dem 16. Jahrhundert und die Kirche San Esteban.

Geschichte von Tizatlán

Besiedlung und historische Entwicklung

Der Name Tizatlán stammt aus dem Nahuatl und bedeutet „Ort der Kreide“. Er geht auf die örtlichen Vorkommen weißer Erde zurück, die hier früher abgebaut wurden.

Archäologische Spuren belegen eine Besiedlung des Gebiets bereits während des mittleren Präklassikums (ca. 1200–400 v. Chr.), lange vor der Entstehung des späteren Herrschaftsgebiets. Die heute sichtbaren Überreste gehören jedoch überwiegend zur spätvorspanischen Siedlung. Deren Entwicklung stand im Zusammenhang mit den Wanderungen und territorialen Auseinandersetzungen verschiedener chichimekischer Gruppen im Tal von Tlaxcala.

Nach der historischen Überlieferung entstand Tizatlán durch die Abspaltung einer Gruppe aus Ocotelulco. Streitigkeiten um die Nachfolge und die Herrschaft führten dazu, dass ein Anführer namens Tzompane mit seinen Anhängern einen neuen Siedlungskern gründete. Seine Nachfolger bauten diesen zu einem eigenständigen Herrschaftsgebiet aus. Die INAH-Darstellungen setzen diesen Prozess unterschiedlich im 13. beziehungsweise 14. Jahrhundert an. Für den erhaltenen Zeremonialbereich werden Bauphasen um 1350, 1400 und 1500 n. Chr. genannt.

Tizatlán gehörte neben Tepeticpac, Ocotelulco und Quiahuiztlan zu den vier führenden Herrschaftsgebieten von Tlaxcallan. Diese als Altépetl bezeichneten politischen Einheiten besaßen eigene Herrscher. Gemeinsam bildeten sie den Kern des tlaxcaltekischen Herrschaftsverbands.

Bei der Ankunft der Spanier 1519 gehörte Xicoténcatl der Ältere zu den bedeutenden Herrschern Tlaxcalas. Tizatlán war einer der entscheidenden Schauplätze des Bündnisses zwischen den Tlaxcalteken und Hernán Cortés. Tlaxcaltekische Truppen hatten anschließend einen wesentlichen Anteil an der Belagerung und Einnahme von Tenochtitlan.

Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung

Die bemalten Altäre wurden 1927 freigelegt und machten Tizatlán. Zu den frühen Forschern, die sich mit den Ruinen und ihren Malereien beschäftigten, gehörten Alfonso Caso und Eduardo Noguera. Weitere Untersuchungen erweiterten die Kenntnisse über die Baugeschichte und die religiöse Bildsprache auf den Altären.

Die Erhaltung der freigelegten Architektur bleibt eine wichtige Aufgabe. Im Jahr 2025 wurden unter anderem die Böden im Bereich der bemalten Altäre und die südlichen Begrenzungs- und Stützmauern instand gesetzt.

Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde

Große Plattform und Gebäudereste

Die künstlich angelegte Große Plattform schuf am Hang eine ebene Fläche für den repräsentativen und zeremoniellen Kern der Siedlung. Erhalten sind Teile der Unterbauten, Mauern und Böden des vorspanischen Komplexes. Die südliche Stützmauer der Plattform erreicht nach Angaben des INAH eine Länge von etwa 90 m und eine Höhe von rund 3,5 m.

Die Gebäudereste werden häufig als Palast Xicoténcatls bezeichnet. Die INAH-Darstellung beschreibt den untersuchten Bereich als öffentliches und zeremonielles Areal neben dem Tecpan, dem Herrschaftssitz der Xicoténcatl. Eine bauliche Besonderheit ist die Verwendung gebrannter Ziegel an Teilen des Unterbaus.

Bemalte Altäre

Die beiden polychromen, also mehrfarbig bemalten Altäre zählen zu den bedeutendsten Funden Tizatláns. Ihre verputzten Oberflächen tragen Darstellungen von Gottheiten sowie menschlichen und tierischen Figuren. Das INAH nennt unter anderem Mictlantecuhtli, Tezcatlipoca und Camaxtli, eine der wichtigsten Gottheiten der Tlaxcalteken. Die Malereien sind eine wichtige Quelle zur religiösen Vorstellungswelt des spätvorspanischen Tlaxcala.

Kirche San Esteban und offene Kapelle

Nach der spanischen Eroberung entstand auf einem Teil der vorspanischen Plattform ein christlicher Sakralbezirk. Aus dieser frühen Bauphase stammt die offene Kapelle des 16. Jahrhunderts, die den Franziskanern zur Missionierung diente. Der überdachte Altarraum öffnete sich zum Vorplatz, auf dem die Gemeinde während der Gottesdienste zusammenkam. Erhaltene Wandmalereien indigener Künstler veranschaulichen christliche Glaubensinhalte.

Neben der offenen Kapelle bestand ein älterer Kirchenbau, dessen Entstehung der Denkmalkatalog des INAH dem 17. Jahrhundert zuordnet. Dieser wurde 1711 durch ein Erdbeben zerstört. Die heutige Kirche San Esteban entstand im 19. Jahrhundert. Ihr Bau nahm einen Teil des früheren Kapellenvorplatzes ein und verdeckte mehrere Bögen der offenen Kapelle.

Der heutige Kirchenbau besitzt einen kreuzförmigen Grundriss, ein Tonnengewölbe und eine Kuppel über der Vierung. Die Fassade ist durch klassische Architekturelemente und einen einzelnen Glockenturm geprägt. Im Inneren befinden sich neoklassizistische Altaraufbauten sowie ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert, das die Taufe des Herrschers von Tizatlán darstellt.

Museum der archäologischen Stätte

Museo de Sitio de Tizatlán

Das kleine Museum der archäologischen Stätte wurde 1998 in einem kleinen Gebäude eingerichtet, das während der frühen Ausgrabungen als Unterkunft und Arbeitsstätte der Archäologen diente. Daher ist es auch unter dem Namen „El Campamento“ bekannt. Das Museum gehört zum Museumsnetzwerk des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH).

Das Ausstellungskonzept umfasst die Geschichte der Ausgrabungen, die beteiligten Forscher und die Interpretation der bemalten Altäre. Dokumentationen, Pläne und Reproduktionen erläutern die Befunde und ihre Symbolik. Außerdem sind einige archäologische Tonobjekte, darunter rituell verwendete Darstellungen des Regengottes Tláloc zu sehen. Die wichtigsten archäologischen Fundstücke aus Tizatlán werden im Regionalmuseum von Tlaxcala ausgestellt. 

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Zona Arqueológica de Tizatlán
Xicohtencatl 18,
CP 90100 Tlaxcala de Xicohténcatl, Tlaxcala

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 17:00 Uhr

Letzter Einlass: 16:30 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: 145 MXN

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 80 MXN

Im Eintrittspreis enthalten sind die Besichtigung der archäologischen Stätte und des Museums.

Hinweise: Für den Rundgang empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und Trinkwasser mitzubringen. 

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch die archäologische Stätte kann man 30 Minuten einplanen. Das Museum und die offene Kapelle können nur besichtigt werden, wenn ein INAH-Guide vor Ort ist, dann dauert die Besichtigung etwa 1 Stunde.

Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden, sofern ein INAH-Guide anwesen ist. Die Tour ist im Eintrittspreis enthalten.

Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 2.055 16 2.071
2024 2.136 15 2.151
2023 1.505 4 1.509
2022 1.652 2 1.654
2021 1.154 0 1.154
2020 985 0 985
2019 2.402 8 2.410
2018 1.549 39 1.588
2017 1.600 133 1.733

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Englisch] | [Spanisch]

YouTube

Tizatlán, Tlaxcala. Zona Arqueológica (2:44 min, 2018)

Informationen zum Museum

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Ausstellung sowie praktische Hinweise zum Besuch
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zum Museum
[Spanisch]

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