Archäologische Stätte „Tecoaque-Zultepec“

Quelle: INAH

Tecoaque-Zultépec war eine acolhuaische Siedlung an der Grenze zum vorspanischen Tlaxcala. Die archäologische Stätte bei Calpulalpan bewahrt Tempel, Plätze und Wohnbereiche; besonders markant ist der Rundtempel des Windgottes Ehécatl-Quetzalcóatl. Bekannt wurde der Ort durch Funde zur Gefangennahme einer mit den Spaniern reisenden Karawane im Jahr 1520 und zur anschließenden Zerstörung der Siedlung.

Geschichte von Tecoaque-Zultepec

Besiedlung und historische Entwicklung

Der ursprüngliche Name Zultépec stammt aus dem Nahuatl und bedeutet „Wachtelberg“. Die später gebräuchliche Bezeichnung Tecoaque wird vom INAH als „Ort, an dem die Herren oder Götter gegessen wurden“ übersetzt. Sie erinnert an die Gefangennahme und rituelle Tötung der Angehörigen einer Karawane während der spanischen Eroberung.

Die ersten nachgewiesenen Bauwerke stammen aus der Zeit zwischen etwa 300 und 550 n. Chr. Die damalige Bevölkerung stand unter dem kulturellen Einfluss Teotihuacáns. Nach dem Niedergang dieser Stadt wurde die Siedlung aufgegeben. Eine erneute Besiedlung durch acolhuaische Gruppen ist für die späte Postklassik, etwa ab 1300 n. Chr., belegt.

Zultépec gehörte zum Einflussgebiet Texcocos und lag am östlichen Rand des Beckens von Mexiko, unmittelbar an der Grenze zu den tlaxcaltekischen Herrschaftsgebieten. Der Ort spielte eine wichtige Rolle im Warenverkehr zwischen dem zentralmexikanischen Hochland, der Golfküste und den weiter südöstlich gelegenen Regionen. Die heute zugängliche Ausgrabungsfläche bildet nur einen Teil der einstigen Siedlung.

Gefangennahme der Karawane und Zerstörung der Siedlung

Mitte 1520 nahmen die Bewohner Zultépecs eine Karawane gefangen, die von der Golfküste ins Landesinnere unterwegs war und inzwischen zum Umfeld Hernán Cortés’ gehörte. Zu ihr zählten Menschen europäischer, afrikanischer und indigener Herkunft, darunter Frauen und Kinder. Teile der Gruppe waren ursprünglich mit der Expedition Pánfilo de Narváez’ nach Mexiko gekommen.

Die Gefangenen wurden über mehrere Monate hinweg bei religiösen Zeremonien getötet. Untersuchungen menschlicher Überreste ergaben außerdem Hinweise auf die rituelle Verarbeitung und den Verzehr von Körperteilen.

1521 ließ Cortés den Ort durch Truppen unter Gonzalo de Sandoval angreifen. Vor deren Eintreffen verbargen Bewohner Gegenstände und Überreste der Gefangenen in unterirdischen Wasserspeichern. Bei der anschließenden Zerstörung wurden Gebäude niedergebrannt und viele Einwohner getötet. Die Ausgrabungen dokumentieren damit sowohl die Gewalt gegen die Karawane als auch die Vergeltungsaktion gegen die Bevölkerung Zultépecs.

Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung

Erste archäologische Untersuchungen führte Román Piña Chan in den 1960er-Jahren durch. In den 1970er-Jahren folgten erste Geländeaufnahmen. Anfang der 1990er-Jahre begannen die Forschungen unter Leitung von Ana María Jarquín Pacheco und Enrique Martínez Vargas.

Besonders ergiebig waren die Untersuchungen der Wasserspeicher. Darin blieben zahlreiche vorspanische und europäische Gegenstände sowie menschliche und tierische Überreste erhalten. Ihre Auswertung hat wesentlich dazu beigetragen, die Ereignisse von 1520 und 1521 zu rekonstruieren und die unterschiedliche Herkunft der Beteiligten nachzuweisen.

Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde

Rundtempel des Ehécatl-Quetzalcóatl

Das auffälligste Bauwerk ist der runde Tempelunterbau des Windgottes Ehécatl-Quetzalcóatl. Er gehört zum zeremoniellen Zentrum der Siedlung. In seinem Umkreis finden sich mehrere rechteckige Tempelplattformen.

Plätze und weitere Tempelbauten

Die Anlage umfasst drei Plätze auf unterschiedlichen Geländeniveaus. Um sie gruppieren sich die erhaltenen Unterbauten religiöser und repräsentativer Gebäude. Darunter finden sich Heiligtümer für Tláloc, Mictlantecuhtli und Tezcatlipoca sowie einen als „Saal der Adligen“ beziehungsweise den als Teocipalpan bezeichneten Bereich.

Wohnbereiche und Wasserspeicher

Neben den Tempeln wurden Wohnkomplexe, Durchgänge und gepflasterte Wege untersucht. Eine wichtige Rolle für die Versorgung spielten die als Aljibes bezeichneten unterirdischen Speicher, in denen Regenwasser gesammelt wurde. Einige dienten vor der Zerstörung des Ortes als Verstecke für Kultgegenstände und Gegenstände aus dem Besitz der Gefangenen.

Funde aus der Zeit der spanischen Eroberung

Zu den bedeutenden Funden gehört ein Tzompantli, ein Gerüst zur Ausstellung menschlicher Schädel. Vierzehn Schädel aus Tecoaque werden im Museo Nacional de Historia im Schloss Chapultepec in Mexiko-Stadt ausgestellt.

Weitere Funde umfassen europäische Metall- und Keramikgegenstände sowie Tonfiguren, in denen die örtliche Bevölkerung die fremden Neuankömmlinge darstellte. Zusammen mit den Überresten eingeführter Tiere dokumentieren sie den unmittelbaren Kontakt zwischen Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt.

Museum der archäologischen Stätte

Museo de Sitio de Tecoaque

Das Museum wurde im November 2012 eröffnet und gehört zum Museumsnetzwerk des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH). Es befindet sich auf dem Gelände der früheren Rancho Santo Domingo de Tequixtla, einem landwirtschaftlichen Anwesen, das sich innerhalb der archäologischen Zone befindet.

Die Dauerausstellung erläutert die Entwicklung der Siedlung und die Ergebnisse der archäologischen und anthropologischen Untersuchungen. Sie umfasst etwa 200 Exponate und gliedert sich in drei Themenbereiche:

Klassische Zeit (250-650): Funde aus der frühen Besiedlung zeigen häusliche Tätigkeiten, religiöse Vorstellungen und Handelskontakte während der Zeit des teotihuacanischen Einflusses.

Postklassische Zeit (1300 bis 1521): Dieser Bereich widmet sich der acolhuaischen Siedlung und der wirtschaftlichen Bedeutung des Pulque. Ein besonderes Ausstellungsstück ist ein mehrfarbig bemaltes Pulquegefäß, ein sogenanntes Octecómatl.

Kontakt und Eroberung (1520–1521): Menschliche Überreste, europäische Gegenstände und indigene Darstellungen der Neuankömmlinge erläutern die Gefangennahme der Karawane und ihre Folgen. Die Ausstellung enthält auch eine Mehrfachbestattung von Gefangenen.

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Zona Arqueológica Tecoaque-Zultepec
Carr. México-Veracruz Km. 53
Ejido de San Marcos Guaquilpan
CP 90224 San Marcos Guaquilpan, Calpulalpan, Tlaxcala

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 17:00 Uhr

Letzter Einlass: 16:00 Uhr

Öffnungszeiten des Museums: Dienstag bis Sonntag von 10:00 Uhr – 15:00 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: frei

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: frei

Hinweise: Für das weitgehend offene Gelände empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser. 

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch die archäologische Stätte und einen Besuch des Museums kann man etwa 60 bis 90 Minuten einplanen. 

Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden.

Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 7.175 338 7.513
2024 8.280 67 8.347
2023 10.740 190 10.930
2022 10.609 116 10.725
2021 3.425 47 3.472
2020 2.810 16 2.826
2019 18.633 321 18.954
2018 15.581 155 15.736
2017 18.789 235 19.024

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Deutsch] | [Englisch] | [Spanisch]

YouTube

Sitio Arqueologico Sultepec-Tecoaque en Tlaxcala (1:29 min, 2017)

Tecoaque – Sultepec, Tlaxcala, Zona arqueológica (9:41 min, 2024)

Informationen zum Museum

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Ausstellung sowie praktische Hinweise zum Besuch
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zum Museum
[Spanisch]

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