Archäologische Stätte „Xochitécatl“

Quelle: INAH

Xochitécatl gehört zu den frühen zeremoniellen Zentren im Tal von Puebla-Tlaxcala. Die auf einer vulkanischen Anhöhe errichtete Stätte im Municipio Nativitas ist vor allem für die Blumenpyramide, das Spiralgebäude und zahlreiche weibliche Tonfiguren bekannt. Gemeinsam mit dem benachbarten Cacaxtla bietet sie Einblicke in die religiöse und gesellschaftliche Entwicklung der Region.

Geschichte von Xochitécatl

Besiedlung und historische Entwicklung

Der Name Xochitécatl stammt aus dem Nahuatl. Das INAH erläutert ihn als Bezeichnung für einen Bewohner oder eine Bewohnerin Xochitláns und nennt außerdem die Deutung „Ort des Blumengeschlechts“ oder „Ort der Blumen“.

Die Anfänge des zeremoniellen Zentrums reichen in die Jahrhunderte vor Christus zurück. Während des mittleren Präklassikums, etwa 800–400 v. Chr., entstanden auf der vulkanischen Anhöhe die ersten Monumentalbauten. Um 600 v. Chr. setzte eine bedeutende Bauphase ein, aus der die frühen Anlagen der Blumenpyramide, des Spiralgebäudes und des Schlangengebäudes hervorgingen.

Auf den Hängen wurden Terrassen für Wohnbereiche und Landwirtschaft angelegt, während die monumentalen Zeremonialbauten die Kuppe einnahmen. Die umliegenden Berge und Vulkane waren Teil der religiösen Landschaft, besonders die Sichtachsen zur Malinche und zum Popocatépetl spielten bei der Gestaltung der Anlage eine Rolle.

In den ersten Jahrhunderten nach Christus wurde Xochitécatl aufgegeben. Die Forschung stellt diesen Einschnitt in einen Zusammenhang mit Ausbrüchen des Popocatépetl, die auch andere Siedlungen der Region betrafen. Während des Epiklassikums, etwa 650–900 n. Chr., wurde der Ort erneut genutzt. In dieser Zeit bildete Xochitécatl einen bedeutenden öffentlichen und religiösen Bereich neben dem stärker auf Herrschaft und Verwaltung ausgerichteten Cacaxtla.

Religiöse Bedeutung und weibliche Darstellungen

Die zahlreichen weiblichen Tonfiguren gehören zu den auffälligsten Funden. Sie zeigen Schwangere, Frauen mit Kindern, ältere Frauen und reich gekleidete Personen. Andere Darstellungen besitzen bewegliche Gliedmaßen oder zeigen Säuglinge in Wiegen. Die Figuren veranschaulichen unterschiedliche Lebensalter und soziale Rollen.

Zusammen mit den Opfergaben und der Gestaltung des Zeremonialzentrums sprechen diese Funde für Rituale zu Fruchtbarkeit, Mutterschaft und Regen. Einige aufwendig ausgestattete Figuren werden außerdem als Hinweise auf eine hervorgehobene gesellschaftliche oder religiöse Stellung von Frauen interpretiert.

Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung

Eine wichtige frühe Ausgrabungskampagne leitete der deutsche Archäologe Bodo Spranz von 1969 bis 1970. Weitere umfangreiche Untersuchungen und Restaurierungen erfolgten zwischen 1992 und 1994 im Rahmen des Projekts Xochitécatl unter Leitung von Mari Carmen Serra Puche. Dabei wurden die monumentalen Bauten untersucht und zahlreiche Opfergaben geborgen. 1994 wurde die archäologische Stätte für Besucher geöffnet.

Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde

Pirámide de las Flores

Die Blumenpyramide ist das größte Bauwerk Xochitécatls und nimmt die Ostseite des Zeremonialplatzes ein. Eine breite Treppe führt den mehrstufigen Unterbau hinauf. In diesem Bereich wurden Bestattungen und Opfergaben entdeckt, darunter zahlreiche weibliche Figuren und Gegenstände aus Muschelschalen und Obsidian. Vor dem Bauwerk befinden sich große, aus einzelnen Steinblöcken gearbeitete Becken.

Edificio de la Espiral

Das Spiralgebäude besitzt einen runden Grundriss mit übereinanderliegenden, zurückgesetzten Baukörpern. Seine ungewöhnliche Form unterscheidet es deutlich von den rechteckigen Plattformen des Platzes. In der Forschung wird der Bau unter anderem als Nachbildung eines Vulkans interpretiert.

Edificio de la Serpiente

Das Schlangengebäude liegt im Süden des Zeremonialbereichs. Der rechteckige Unterbau weist drei Bauphasen auf und wurde überwiegend aus unterschiedlich großen, mit Lehm vermauerten Steinen errichtet. Auf seiner Oberseite entdeckten Archäologen ein weiteres monolithisches Becken mit einer tiergestaltigen Skulptur.

Basamento de los Volcanes

Der Vulkanunterbau befindet sich im mittleren Bereich des Platzes. Seine rechteckige Plattform besitzt Mauern aus bearbeiteten Steinen, die ursprünglich mit Stuck überzogen waren. Diese Struktur ergänzt die älteren Monumentalbauten und wird in einer INAH-Darstellung der erneuten Nutzung während des Epiklassikums zugeordnet.

Steinbecken und weitere Funde

Die großen monolithischen Becken gehören zu den besonderen Ausstattungsstücken der Stätte. In mehreren wurden menschlich oder tierisch gestaltete Steinskulpturen gefunden. Die Forschung deutet die Becken im Zusammenhang mit Wasser- und Fruchtbarkeitsritualen. Weitere Funde umfassen Keramikgefäße, Räuchergefäße, Schmuck, Obsidianklingen und zahlreiche Spinnwirteln.

Museum der archäologischen Stätte

Museo de Sitio de Xochitécatl

Das Museum wurde 1995 eröffnet und gehört zum Museumsnetzwerk des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH). Seine Sammlung umfasst Funde aus den Ausgrabungen von Bodo Spranz 1969–1970 und dem Projekt Xochitécatl 1993–1994.

Im Mittelpunkt stehen die weiblichen Tonfiguren und ihre Bedeutung innerhalb der vorspanischen Gesellschaft. Die Ausstellung zeigt unter anderem Schwangere, Frauen mit Kindern und reich ausgestattete weibliche Personen. Ergänzend sind Alltags- und Zeremonialkeramik, Räuchergefäße, Schmuck und weitere Bestandteile von Opfergaben zu sehen.

Ein Außenbereich präsentiert Steinskulpturen mit menschlichen, tierischen und anderen Formen. Dazu gehören Stücke, die aus den monolithischen Becken der archäologischen Stätte geborgen wurden.

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Zona Arqueológica Xochitécatl
Miguel Xochitecatitla
CP 90712 Natívitas, Tlaxcala

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 17:00 Uhr

Letzter Einlass: 16:00 Uhr

Öffnungszeiten des Museums: Mittwoch bis Sonntag von 10:00 Uhr –  17:00 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: 210 MXN

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 105 MXN

Im Eintrittspreis enthalten sind die Besichtigung der archäologischen Stätte und des Museums. 

Darüber hinaus wird ein Kombiticket zum selben Eintrittspreis für die Besichtigung von Xochitécatl und Cacaxtla an einem Tag angeboten.

Hinweise: Für das offene Gelände empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser. Auf der Anhöhe kann es windig sein. 

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch die archäologische Stätte Xochitécatl und einen Besuch des Museums kann man etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen.  Wählt man das Kombiticket kann man für die Besichtigung von Cacaxtla noch einmal etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen.

Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden.

Touren

Zur archäologischen Stätte werden Touren aus Puebla angeboten. Die Touren können über lokale Anbieter oder vorab online gebucht werden.

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Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 31.202 1.034 32.236
2024 32.810 905 33.715
2023 37.418 1.163 38.581
2022 34.849 407 35.256
2021 1.402 10 1.412
2020 16.688 228 16.916
2019 75.446 428 75.874
2018 129.483 505 129.988
2017 122.440 696 123.136

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Deutsch] | [Englisch] | [Spanisch]

YouTube

Sitio Arqueologico Xochitecatl en Tlaxcala (1:47 min, 2017)

Xochitecatitla, Tlaxcala. Zona Arqueológica (3:21 min, 2010)

Informationen zum Museum

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Ausstellung sowie praktische Hinweise zum Besuch
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zum Museum
[Spanisch]

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