Yagul war eine zapotekische Stadt im Tal von Tlacolula, die nach dem Niedergang Monte Albáns um 850 n. Chr. an Bedeutung gewann. Die archäologische Stätte östlich von Tlacolula de Matamoros ist vor allem für den Palast der sechs Höfe, den großen Ballspielplatz und ihre aufwendig gestalteten Gräber bekannt. Oberhalb des Stadtzentrums liegt eine befestigte Anhöhe mit weitem Blick über das Tal.
Geschichte von Yagul
Besiedlung und historische Entwicklung
Der Name Yagul stammt aus dem Zapotekischen und wird als „alter Baum“ beziehungsweise „altes Holz“ übersetzt. Die Anfänge der Besiedlung reichen bis etwa 1500 v. Chr. zurück. Aus der Zeit zwischen 500 und 300 v. Chr. sind außerdem Gräber bekannt, die ungefähr gleichzeitig mit der Gründung Monte Albáns entstanden. Zur frühen Siedlungslandschaft gehört auch Caballito Blanco, eine benachbarte felsige Ebene mit archäologischen Überresten.
Während der späten Klassik, etwa 650–850 n. Chr., entwickelte sich Yagul zu einem städtischen Zentrum. Nach dem Niedergang Monte Albáns gehörte es zu den Orten, die ihre Bedeutung ausbauen konnten. Seine Blütezeit setzte sich während der Postklassik fort. Der Palast der sechs Höfe erhielt seine Gestalt überwiegend in der späten Postklassik, etwa 1200–1521 n. Chr.
Die Stadt wurde auf künstlich angelegten Terrassen errichtet. Paläste, Heiligtümer, Höfe und Gräber waren durch Straßen und Durchgänge erschlossen. Reste roter Stuckschichten zeigen, dass zahlreiche Mauern und Böden ursprünglich farbig gestaltet waren.
Im 16. Jahrhundert wurde die Bevölkerung nach Angaben des INAH im Zuge der spanischen Neuordnung nach Santa María de la Asunción Tlacolula umgesiedelt. Damit endete die Nutzung Yaguls als städtisches Zentrum.
Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung
Die grundlegenden archäologischen Untersuchungen erfolgten zwischen 1954 und 1961. Dabei wurden Palastanlagen, der Ballspielplatz und zahlreiche Gräber untersucht. Die Forschungen machten Yagul zu einem wichtigen Vergleichsort für die Architektur und Bestattungssitten der zapotekischen Städte.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die sogenannte Dreifachgrabanlage unter Patio 4. Ihre ungewöhnliche Raumaufteilung und ihr Steinschmuck führten zu Diskussionen über die Entwicklung zapotekischer Bauformen und mögliche mixtekische Einflüsse.
Yagul und das UNESCO-Welterbe
Seit 2010 gehört Yagul zur UNESCO-Welterbestätte „Prähistorische Höhlen von Yagul und Mitla im zentralen Tal von Oaxaca“. Die geschützte Kulturlandschaft umfasst neben vorspanischen Siedlungsanlagen auch Höhlen und Felsüberhänge mit wesentlich älteren menschlichen Nutzungsspuren.
Besonders bedeutend sind die Pflanzenreste aus der Höhle Guilá Naquitz. Sie dokumentieren frühe Schritte der Pflanzendomestikation und den Übergang von jagenden und sammelnden Gruppen zu bäuerlichen Lebensweisen. Diese Fundorte bilden einen eigenen Bestandteil der Kulturlandschaft und gehören nicht zum Rundgang durch die archäologische Stätte Yagul.
Informationen zum UNESCO-WelterbeBedeutende Bauwerke und archäologische Funde
Palacio de los Seis Patios
Der Palast der sechs Höfe ist einer der größten zusammenhängenden Gebäudekomplexe Yaguls. Räume und Durchgänge gruppieren sich um sechs Innenhöfe. Die unterschiedlichen Bereiche werden als Orte öffentlicher Aufgaben, privater Zusammenkünfte und als Wohnräume der Herrscherfamilie interpretiert.
Die verwinkelte Anordnung vermittelt einen Eindruck von der räumlichen Trennung verschiedener Tätigkeiten innerhalb eines Palastes. In jedem Hof wurde außerdem der Zugang zu einer Grabstätte gefunden.
Juego de Pelota
Der Ballspielplatz besitzt einen I-förmigen Grundriss mit einer langen Spielfläche und verbreiterten Endbereichen. Er gilt als der größte erhaltene Ballspielplatz im Tal von Oaxaca. Seine Entstehung wird in die klassische Zeit eingeordnet.
Das Ballspiel hatte neben dem sportlichen Wettbewerb eine religiöse und politische Bedeutung. Die INAH-Darstellung erläutert den Platz im Zusammenhang mit Ritualen zu Krieg, Opferhandlungen und der Erneuerung der Weltordnung.
Patio 4 und Dreifachgrabanlage
Patio 4 ist ein von vier Gebäuden eingefasster Platz mit einem zentralen Altar. Unter diesem Bereich liegt ein gemeinsamer Grabkomplex aus den Gräbern 3, 29 und 30. Ihre Zugänge treffen in einem gemeinsamen Vorbereich zusammen.
Besonders aufwendig ist die Fassade von Grab 30 gestaltet. Sie besitzt geometrische Steinreliefs, darunter Stufenmäander, sowie kleine menschliche Steinköpfe seitlich des Eingangs. Reste roter Bemalung lassen die frühere farbige Gestaltung erkennen.
Sala del Consejo und geschmückte Straße
Die sogenannte Ratsversammlungshalle ist ein lang gestreckter Raum am südlichen Rand des Palastbereichs. Zwischen ihr und dem Palast verläuft eine schmale Straße. Reste geometrischer Steinmosaike zeigen, dass auch die Außenwände repräsentativ gestaltet waren. Ähnliche Schmuckformen erreichten später in Mitla eine besonders aufwendige Ausprägung.
La Fortaleza
Die als Festung bezeichnete Anlage liegt auf einer lang gezogenen felsigen Anhöhe oberhalb des Stadtzentrums. Mauern und natürliche Geländehindernisse schufen einen geschützten Bereich. Er wird als Verteidigungsanlage und möglicher Zufluchtsort während kriegerischer Auseinandersetzungen interpretiert.
Besuch und praktische Informationen
Adresse
Zona Arqueológica Yagul
Municipio Tlacolula de Matamoros
Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 8:00 Uhr – 17:00 Uhr
Letzter Einlass: 16:00 Uhr
Eintritt
Erwachsene international: 210 MXN
Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 105 MXN
Hinweise: Für das offene Gelände empfehlen sich festes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser. Besonders der Aufstieg zur Festung kann bei Hitze anstrengend sein.
Besuch und Führungen
Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch die archäologische Stätte kann man 1,5 bis 2 Stunden einplanen.
Führungen: Geführte Rundgänge werden nicht angeboten.
Touren
Zu der archäologischen Stätte werden Touren aus Oaxaca-Stadt angeboten. Die Touren können über lokale Anbieter oder vorab online gebucht werden.
Touren für Yagul bei getyourguide*Besucherzahlen der archäologischen Stätte
Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.
Linkhinweise und Quellen
Informationen zur archäologischen Stätte
INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]
SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]
Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Deutsch] | [Englisch] | [Spanisch]
YouTube
Yagul, Oaxaca, Zona Arqueológica (México Arqueológico, 1:55 min, 2010)Artikelempfehlungen
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