Jícara – traditionelles Trink- und Schöpfgefäß

Jícaras - Trink- und Serviergefäße
Quelle: Mexico-Info

Die Jícara ist ein traditionelles Gefäß aus der harten Schale bestimmter tropischer Früchte. Nach dem Trocknen und Aushöhlen entsteht daraus eine leichte, stabile Schale, die in Mexiko seit langer Zeit als Trink-, Schöpf- und Serviergefäß verwendet wird. Je nach Region bleiben Jícaras schlicht und naturbelassen oder werden geglättet, bemalt, graviert und kunsthandwerklich verziert.

Geschichte und Entwicklung

Entwicklung in vorspanischer Zeit

Die Jícara gehört zu den sehr alten Gefäßformen im heutigen Mexiko. Schon in vorspanischer Zeit wurden harte Fruchtschalen getrocknet, ausgehöhlt und als leichte, stabile Schalen genutzt. Der spanische Begriff jícara geht auf das Nahuatl-Wort xicalli zurück, das ein Gefäß aus einer ausgehöhlten Kürbis- oder Fruchtschale bezeichnet.

Im Alltag dienten solche Gefäße als Trink-, Schöpf- und Servierschalen. Zugleich waren Jícaras auch in rituellen Zusammenhängen von Bedeutung. Darstellungen in Codices, Wandmalereien und archäologische Funde zeigen, dass vor allem verzierte Exemplare in sakralen oder zeremoniellen Kontexten verwendet wurden. Neben einfachen Gebrauchsformen entstanden daher schon früh kunsthandwerklich gestaltete Varianten. Sie wurden bemalt, graviert oder poliert. Zur Oberflächenbehandlung konnten auch Harze, Öle oder natürliche Lacktechniken verwendet werden. Damit verband die Jícara praktischen Nutzen, handwerkliche Gestaltung und symbolische Bedeutung.

Entwicklung nach der spanischen Eroberung

Nach der spanischen Eroberung veränderte sich die materielle Kultur in Neuspanien deutlich. In städtischen und wohlhabenden Haushalten kamen neue Gefäßformen aus Porzellan, Keramik, Silber oder Glas hinzu. Besonders beim Genuss von Kakao- und Schokoladengetränken entstanden neue Formen der Tischkultur, in denen europäische Materialien und lokale Gewohnheiten miteinander verbunden wurden. Der Begriff jícara wurde später teilweise auch auf kleine Schokoladentassen aus anderen Materialien übertragen.

Für die einfache Bevölkerung blieben Jícaras aus Fruchtschalen dagegen ein praktisches Alltagsgefäß. Sie waren leicht, günstig herzustellen und für Trink-, Schöpf- und Servierzwecke vielseitig nutzbar. Vor allem in ländlichen Regionen und indigen geprägten Gemeinden wurden sie weiterhin verwendet. Zugleich entwickelte sich die kunsthandwerkliche Gestaltung weiter: Bemalte, gravierte, polierte oder lackierte Jícaras wurden nicht nur im Haushalt genutzt, sondern auch als regionale Handwerksprodukte gehandelt. So stand die Jícara in der Kolonialzeit zwischen fortbestehender Alltagspraxis, regionalem Kunsthandwerk und neuen Formen kolonialer Tischkultur.

Entwicklung in der Gegenwart

In der Gegenwart sind Jícaras in vielen Haushalten durch Gefäße aus Glas, Keramik, Metall oder Kunststoff ersetzt worden. Als alltägliches Küchenutensil sind sie daher weniger verbreitet als früher. Vollständig verschwunden sind sie jedoch nicht. In mehreren Regionen Mexikos werden sie weiterhin für traditionelle Getränke, bei Festen, auf Märkten und in der regionalen Gastronomie verwendet.

Zugleich haben Jícaras heute eine starke Bedeutung als Kunsthandwerk. Sie werden als dekorative Schalen, Trinkgefäße oder Souvenirs verkauft. Neben einfachen Gebrauchsgefäßen gibt es kunstvoll gestaltete Stücke, die weniger dem täglichen Gebrauch dienen, sondern vor allem als Ausdruck regionaler Handwerkstraditionen verstanden werden.

Formen, Materialien und Nutzung

Pflanzen und Größen

Jícaras werden nicht aus einem einheitlichen Material hergestellt, sondern aus den harten Schalen verschiedener Früchte. Dazu gehören der Flaschenkürbis oder die Kalebasse (Lagenaria siceraria) sowie Früchte tropischer Kalebassenbäumen wie Crescentia cujete und Crescentia alata. In Mexiko sind dafür je nach Region Namen wie Totuma, Jícara, Tapara, Cuatecomate, Güiro oder Guaje Cirial gebräuchlich. Da diese Früchte unterschiedlich groß geformt sind, unterscheiden sich auch die fertigen Jícaras in Größe, Form und Verwendungszweck.

Herstellung und Gestaltung

Für die Herstellung wird die reife Frucht geerntet, geöffnet und ausgehöhlt. Je nach späterer Nutzung wird sie halbiert oder so aufgeschnitten, dass eine flache Schale, ein tieferes Gefäß oder ein becherartiges Trinkgefäß entsteht. Anschließend wird das weiche Innere entfernt, die Schale gereinigt und getrocknet. Danach kann die Oberfläche naturbelassen bleiben oder weiterbearbeitet werden.

Einfache Jícaras werden vor allem geglättet oder poliert. Kunsthandwerklich gestaltete Varianten können bemalt, graviert oder mit natürlichen Lacktechniken behandelt werden. Besonders bekannte Dekortraditionen sind mit Regionen wie Michoacán, Guerrero und Chiapas verbunden, wo lackierte oder kunstvoll verzierte Jícaras Teil regionaler Handwerkstraditionen sind.

Da Gefäße in der Regel eine runde Unterseite haben, benötigen sie zum aufrechten Stehen oft einen kleinen Sockel oder Standring, der in Mexiko unter anderem rodete oder yagual genannt wird und aus Schilf, Holz oder anderem Naturmaterial bestehen kann.

Nutzung

Die Nutzung einer Jícara hängt stark von Größe, Form und Verarbeitung ab. Kleine, handliche Schalen dienen vor allem als Trinkgefäße. Tiefere oder größere Jícaras können zum Schöpfen, Ausschenken oder Servieren verwendet werden. Besonders große Gefäße eignen sich auch zum Aufbewahren oder Transportieren kleiner Mengen trockener Zutaten oder Flüssigkeiten. Heute erscheinen sie je nach Region als Gebrauchsgefäß, als Servierschale für traditionelle Getränke oder als kunsthandwerklich gestaltetes Objekt.

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur Mexikanischen Küche

Larousse Cocina – Enzyklopädisches Wörterbuch der mexikanischen Gastronomie

Diccionario del Español de México (DEM) – Wörterbuch des mexikanischen Spanisch

SIC México: Gastronomía en México – Offizielle Übersicht der mexikanischen Gastronomie nach Bundesstaaten mit regionalen Küchen und kulturellen Hintergründen.


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