Doku – Xipe Totec von Mexiko – 2011

Aus der Reihe „Kunst und Mythos“ (Arts du mythe)

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde eine 30 Zentimeter hohe und rund zehn Kilogramm schwere Statue aus grauem Vulkangestein von Mexiko nach Frankreich gebracht. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und zeugt bis heute von der Kultur der Azteken. Es ist ein Mann, von dem nur noch der Torso erhalten ist, eingehüllt in eine Haut. Er zeigt die Attribute des Gottes Xipe Totec. Die menschliche Haut weist auf die Tötungsrituale der Azteken hin, die verboten wurden, nachdem die Spanier das Aztekenreich unterworfen hatten und sich das Christentum durchsetzte.

Der aus Vulkangestein bestehende, mit Menschenhaut überzogene aztekische Torso aus dem 15. Jahrhundert spielte eine Rolle bei Kult- und Opferhandlungen aztekischer Würdenträger zu Ehren des Gottes Xipe Totec. Sein Name bedeutet auf Deutsch „unser Herr, der Geschundene“.

War Xipe Totec der Schutzgott der Geopferten, der Gott der Bauern oder der Krieger? Zweifelsohne nahm er im Pantheon der Azteken einen wichtigen Platz ein. Die aztekischen Glaubensvorstellungen – und die damit verbundenen Rituale, einschließlich der Menschenopfer – wurden später von den Konquistadoren unterdrückt und ausgemerzt.

Der Hintergrund der Tötungsrituale erklärt sich unter anderem in der religiösen Überzeugung, ein Gleichgewicht zu schaffen. Die rituelle Welt bot Erlösung, indem sie dieses Gleichgewicht wahrte. Dafür wurden solche aus heutiger Sicht sehr grausamen Rituale durchgeführt. Auch Objekte wurden zerstört, Keramiken oder andere Dinge, die sich in den Häusern der Azteken befanden. Die Zerstörung schaffte nach den Vorstellungen der Azteken Erneuerung, damit die Sonne wieder aufging und Tag und Nacht herrschten. Man musste sterben, um geboren zu werden.

Auf seinem Siegeszug spürte das Christentum den heidnischen Kultobjekten wie der in der Sendung vorgestellten Statue nach, um sie zu vernichten. Wie sind diese Schätze, die heute Unvorstellbares erzählen, aus moderner Sicht einzuordnen?

Die Reihe „Kunst und Mythos“ ist Gegenständen sogenannter „primitiver“ Völker gewidmet, die zunächst als Kuriositäten abgetan, später auf ihren ethnographischen Dokumentationswert reduziert wurden und heute als vollwertige Kunstwerke gelten. Sie präsentiert jeweils ein herausragendes Werk und geht auf den damit verbundenen Mythos, seine Verwendung, die Geschichte sowie heutige Interpretationen hier und im Ursprungsland ein.
Jede Folge stellt jeweils ein Objekt in den Mittelpunkt, dessen Geheimnis entschlüsselt wird. Durch die Darstellung seiner Geschichte und Herkunft tritt das Objekt aus seinem rein musealen Zusammenhang heraus und eröffnet ein anderes Weltverständnis. Wie sehen westliche Künstler den Gegenstand? Was lehrt er über die Menschen, die ihn schufen, und ihre Beziehung zur Welt? Ist er mit verwandten Gegenständen vergleichbar? Durch wie viele Hände ist er gegangen? Am Ende der Reise erscheint das Objekt in völlig neuem Licht.

Erstausstrahlung: 2011, arte

Filmlänge: 30 min

Ein Film von Etienne Chaillou und Mathias Théry

Produktionsland: Frankreich, arte

Video

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