Tropische Wirbelstürme gehören in Mexiko zu den wiederkehrenden Naturgefahren. Besonders während der Hurrikansaison können sich über dem Golf von Mexiko, dem Karibischen Meer sowie vor der Atlantik- und Pazifikküste kräftige Stürme bilden. Erreichen tropische Wirbelstürme bestimmte Windgeschwindigkeiten, werden sie in diesen Regionen als Hurrikane eingestuft.
Der folgende Artikel erklärt, wie solche Stürme entstehen, welche Auswirkungen sie haben können und welche Hinweise für Reisende wichtig sind.
Entstehung und Ausbreitung tropischer Wirbelstürme
Tropische Wirbelstürme entstehen über warmen Meeresflächen. Eine wichtige Voraussetzung ist eine hohe Temperatur an der Wasseroberfläche von etwa 26 °C. Über dem warmen Meer verdunstet viel Wasser, feucht-warme Luft steigt auf und der Luftdruck über der Meeresoberfläche sinkt. Aus der Umgebung strömt neue Luft nach, die sich ebenfalls erwärmt, Feuchtigkeit aufnimmt und aufsteigt.
Mit zunehmender Höhe kühlt die aufsteigende Luft ab. Der Wasserdampf kondensiert, Wolken bilden sich und es kommt zu kräftigen Niederschlägen. Dabei wird Wärme freigesetzt, die den Auftrieb weiter verstärkt. So kann sich das Tiefdruckgebiet zunehmend organisieren. Die Winde nehmen zu, Wolkenbänder ordnen sich spiralförmig an und das Sturmsystem beginnt zu rotieren. Auf der Nordhalbkugel drehen sich tropische Wirbelstürme entgegen dem Uhrzeigersinn. Ursache dafür ist die Corioliskraft, die bewegte Luftmassen durch die Erdrotation ablenkt.
Tropische Wirbelsturmstadien
Tropische Wirbelstürme werden nach ihrer mittleren anhaltenden Windgeschwindigkeit eingestuft. Dabei wird zwischen tropischer Depression, tropischem Sturm und Hurrikan unterschieden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Stadien zeigen, wie stark sich ein tropisches Tiefdruckgebiet bereits entwickelt hat.
- Tropische Depression
Eine tropische Depression ist ein frühes Entwicklungsstadium eines tropischen Wirbelsturms. Es handelt sich um ein geschlossenes Tiefdruckgebiet mit Gewittern und Windgeschwindigkeiten von bis zu 62 km/h. Die typische Spiralstruktur eines stärkeren Tropensturms ist in diesem Stadium meist noch nicht vollständig ausgeprägt. - Tropischer Sturm
Erreichen die anhaltenden Windgeschwindigkeiten 63 bis 118 km/h, wird das Tiefdruckgebiet als tropischer Sturm eingestuft. Die Gewitter- und Wolkenbereiche ordnen sich nun stärker um das Zentrum an, und die Drehbewegung wird deutlicher sichtbar. Ab diesem Stadium erhält der Sturm einen offiziellen Namen. Dieser wird von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) festgelegt, und zwar schon für mehrere Jahre im Voraus. - Hurrikan
Ab anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 119 km/h wird ein tropischer Sturm als Hurrikan bezeichnet. Starke Hurrikane können ein deutlich ausgeprägtes Auge bilden. Dieses Zentrum ist vergleichsweise ruhig und wird von der sogenannten Augenwand umgeben, in der die stärksten Winde und besonders heftige Niederschläge auftreten.
Merkmale und Kategorien von Hurrikanen
Hurrikane sind tropische Wirbelstürme mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten. Charakteristisch sind die spiralförmig angeordneten Wolkenbänder, die sich um ein Tiefdruckzentrum drehen. Bei starken Hurrikanen kann sich im Zentrum ein Auge bilden. Dieser Bereich ist meist vergleichsweise ruhig, windschwach und teilweise wolkenarm. Umgeben ist das Auge von der sogenannten Augenwand. Dort treten die höchsten Windgeschwindigkeiten, besonders starke Niederschläge und die heftigsten Gewitter auf. Die Ausdehnung eines Hurrikans kann mehrere hundert Kilometer erreichen, sodass nicht nur der unmittelbare Küstenbereich betroffen sein kann.
Zur Einordnung der Stärke wird die Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala verwendet. Sie teilt Hurrikane nach ihrer anhaltenden Windgeschwindigkeit in fünf Kategorien ein:
- Kategorie 1: 119 bis 153 km/h
- Kategorie 2: 154 bis 177 km/h
- Kategorie 3: 178 bis 208 km/h
- Kategorie 4: 209 bis 251 km/h
- Kategorie 5: ab 252 km/h
Die Skala beschreibt ausschließlich die Windgeschwindigkeit. Andere Gefahren wie Starkregen, Sturmfluten, Überschwemmungen, Erdrutsche oder hohe Wellen werden dadurch nicht erfasst. Auch Hurrikane niedrigerer Kategorien können daher erhebliche Schäden verursachen, wenn sie große Regenmengen mit sich bringen oder dicht besiedelte Gebiete treffen.
Abschwächung und Auswirkungen im Landesinneren
Erreicht ein Hurrikan die Küste und zieht über Land, verliert er an Stärke. Der wichtigste Grund ist, dass über Land der Nachschub an feucht-warmer Meeresluft fehlt. Außerdem wird die bodennahe Luftströmung durch Reibung an Gelände, Vegetation und Bebauung stärker gebremst. Dadurch nimmt die Windgeschwindigkeit deutlich ab.
Trotzdem können die Auswirkungen eines Hurrikans weit ins Landesinnere reichen. Die ausgedehnten Wolken- und Niederschlagsgebiete bleiben häufig auch dann noch wirksam, wenn der Sturm bereits abgeschwächt ist. Besonders gefährlich sind anhaltende Starkregenfälle, die zu Überschwemmungen, anschwellenden Flüssen und Erdrutschen führen können.
In Gebirgsregionen und im mexikanischen Hochland können Niederschläge zusätzlich verstärkt werden, wenn feuchte Luftmassen an den Bergen aufsteigen. Daher beschränken sich die Gefahren tropischer Wirbelstürme nicht nur auf Küstenorte. Auch weiter entfernte Regionen können von intensiven Regenfällen und Folgeschäden betroffen sein.
Betroffene Regionen in Mexiko
Auf der Atlantik- und Karibikseite sind vor allem die Halbinsel Yucatán mit den Bundesstaaten Quintana Roo, Yucatán und Campeche sowie die Küstenstaaten am Golf von Mexiko betroffen. Dazu gehören insbesondere Tabasco, Veracruz und Tamaulipas. In diesen Regionen können Hurrikane vom Karibischen Meer oder vom Golf von Mexiko auf die Küste treffen und dort Sturm, Starkregen, hohe Wellen und Überflutungen verursachen.
An der Pazifikküste können tropische Wirbelstürme die Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca, Guerrero, Michoacán, Colima, Jalisco, Nayarit, Sinaloa und Sonora erreichen. Auch die Halbinsel Baja California mit Baja California Sur und Baja California kann von tropischen Wirbelstürmen betroffen sein, besonders wenn Stürme entlang der Pazifikküste nach Nordwesten ziehen.
Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht immer auf die Küstengebiete. Ausläufer tropischer Wirbelstürme können auch weiter im Landesinneren Niederschläge auslösen. Betroffen sein können unter anderem nördliche Bundesstaaten wie Chihuahua, Coahuila und Nuevo León. Bei großräumigen oder langsam ziehenden Stürmen sind auch Regenfälle im mexikanischen Hochland möglich. Dort können besonders Überschwemmungen, Erdrutsche und unterbrochene Verkehrsverbindungen zu Problemen führen.
Auswirkungen und Maßnahmen des mexikanischen Zivilschutz (Proteccion civil)
Der mexikanische Wetterdienst Servicio Meteorológico Nacional (SMN) und das National Hurricane Center (NHC) der Vereinigten Staaten beobachten die Entwicklung tropischer Tiefdruckgebiete, tropischer Stürme und Hurrikane im Golf von Mexiko, im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik. Ihre Vorhersagen liefern wichtige Informationen zu Zugbahn, Stärke, Niederschlägen und möglichen Gefahren für betroffene Regionen.
Trifft ein tropischer Wirbelsturm auf Land, können erhebliche Schäden entstehen. An den Küsten zählen hohe Wellen, Sturmfluten, starke Windböen und intensive Regenfälle zu den wichtigsten Gefahren. Weitere Folgen können Überschwemmungen, entwurzelte Bäume, beschädigte Gebäude, unpassierbare Straßen sowie Strom- und Kommunikationsausfälle sein. In bergigen Regionen erhöhen Starkregenfälle zudem die Gefahr von Erdrutschen und Sturzfluten. Das Ausmaß der Schäden hängt nicht allein von der Hurrikankategorie ab. Auch die Zuggeschwindigkeit, die Regenmenge, die Geländebeschaffenheit, die Bebauung und die Vorbereitung vor Ort spielen eine wichtige Rolle. Deshalb können auch Hurrikane niedrigerer Kategorien gefährlich werden, wenn sie langsam ziehen oder große Niederschlagsmengen mit sich bringen.
Da tropische Wirbelstürme meist über mehrere Tage entstehen, können sie frühzeitig überwacht werden. Diese Vorlaufzeit ist wichtig, um Warnungen herauszugeben, Schutzmaßnahmen vorzubereiten und bei Bedarf Evakuierungen einzuleiten. Für die Warnung der Bevölkerung nutzt Mexiko das Sistema de Alerta Temprana para Ciclones Tropicales (SIAT-CT), ein Frühwarnsystem für tropische Wirbelstürme, das vom Nationalen Wetterdienst und dem Zivilschutz entwickelt wurde. Es unterstützt die Abstimmung zwischen Wetterdiensten, Zivilschutz, Behörden, Medien und Bevölkerung.
Die einzelnen Warnstufen
Das SIAT-CT arbeitet mit fünf farblich gekennzeichneten Warnstufen: Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot. Sie stehen für sehr geringe, geringe, mittlere, hohe und maximale Gefahr. Dabei wird zwischen der Annäherung eines tropischen Wirbelsturms und der Phase nach dem Durchzug unterschieden. Für die Einstufung werden mehrere Faktoren berücksichtigt, darunter die Intensität des Wirbelsturms, seine Zuggeschwindigkeit, die Entfernung zur betroffenen Küste oder Region und die voraussichtliche Zeit bis zum Eintreffen.
Warnstufen bei der Annäherung eines Hurrikans
Die einzelnen Warnstufen beim Abklingen eines Hurrikans
Empfehlungen des Auswärtigen Amtes
Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland stellt Hinweise zu Wirbelstürmen im Ausland bereit und verweist in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Mexiko auf die Hurrikansaison. Reisende sollten während dieser Zeit Wetterberichte verfolgen, offizielle Warnmeldungen beachten und den Anweisungen der lokalen Behörden folgen.
Vor Reisen in sturmgefährdete Regionen empfiehlt es sich, die aktuelle Wetterlage, die Lage der Unterkunft, Verkehrsverbindungen und mögliche Ausweichziele zu prüfen. Auch Reiseunterlagen, Versicherungsbedingungen und Regelungen bei Naturkatastrophen sollten vorab kontrolliert werden.
Bei einer Sturmwarnung sollte rechtzeitig geklärt werden, ob eine sichere Abreise noch möglich ist oder ob ein geschützter Aufenthalt vor Ort vorbereitet werden muss. Dazu gehören Informationen zu Notfallplänen der Unterkunft, ein Notfallpaket, das Sichern loser Gegenstände, das Meiden gefährdeter Bereiche und das Trennen nicht benötigter elektrischer Geräte vom Stromnetz.
Während des Sturms sollte man sich in einem stabilen Gebäude aufhalten, Fenster meiden und das Gebäude nicht verlassen. Küsten, Flüsse, Brücken, überflutete Straßen und andere gefährdete Bereiche sollten erst wieder aufgesucht werden, wenn eine offizielle Entwarnung vorliegt.
Nach dem Sturm können beschädigte Gebäude, umgestürzte Bäume, instabile Brücken oder unterspülte Straßen weiterhin gefährlich sein. Verletzte oder akute Gefahren sollten den zuständigen Stellen gemeldet werden. Die eigene Unterkunft sollte nur dann auf Schäden geprüft werden, wenn dies ohne Risiko möglich ist.
Eine ausführliche Beschreibung findet sich auf der Website des Auswärtigen Amtes unter:
Auswärtiges Amt – Hinweise zu Wirbelstürmen im AuslandLinkhinweise und Quellen
Informationen zu Tropischen Wirbelstürmen und Hurrikane
SMN – Servicio Meteorológico Nacional / CONAGUA
Der nationale Wetterdienst informiert über aktuelle Wetterwarnungen, Tropenstürme, Hurrikane, Niederschläge und Saisoninformationen in Mexiko.
[Aktuelle Wetterlage in Mexiko] | [Meldungen über Tropenstürme im Atlantik] | [Meldungen über Tropenstürme im Pazifik]
WMO – World Meteorological Organization
Offizielle internationale Quelle für Klassifikation, Begriffe und meteorologische Einordnung tropischer Wirbelstürme.
[Tropical Cyclone]
DWD – Deutscher Wetterdienst
Der DWD bietet umfangreiche Informationen über die Entstehung tropischer Wirbelstürme
[Tropische Wirbelstürme]
FEMA – Federal Emergency Management Agency
Informationen der US-Bundesagentur für Katastrophenschutz FEMA ur Vorbereitung auf einen Hurrikan
[Hurricanes]
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