Archäologische Stätte „Guiengola“

Quelle: INAH

Guiengola war eine befestigte zapotekische Stadt im Isthmus von Tehuantepec. Auf einem Plateau des gleichnamigen Berges sind Tempelplattformen, Palastanlagen, Ballspielplätze und zahlreiche Wohngebäude erhalten. Felswände und errichtete Mauern schützten die Siedlung. Neuere Untersuchungen zeigen eine ausgedehnte Stadt mit unterschiedlichen Wohnvierteln und einem eigenen Straßennetz.

Geschichte von Guiengola

Besiedlung und historische Entwicklung

Der Name Guiengola stammt aus dem Zapotekischen des Isthmus. Das INAH nennt als Deutungen „Großer Felsen“ beziehungsweise „Großer oder alter Berg“. Die Hauptbesiedlung wird der späten Postklassik zugeordnet, etwa 1350 n. Chr.

Die Entwicklung der Stadt steht im Zusammenhang mit der Ausbreitung zapotekischer Bevölkerungsgruppen aus den zentralen Tälern Oaxacas in den Isthmus während des 14. und 15. Jahrhunderts. Dort entstanden neue Herrschaftsgebiete an wichtigen Verkehrs- und Handelswegen zwischen dem Hochland und der Pazifikküste.

Ein kolonialzeitlicher Verwaltungsbericht (Relación Geográfica de Tehuantepec) von 1577 berichtet von einem Angriff der Mexica (Azteken) im Jahr 1497. Nach den historischen Überlieferungen widerstanden die Zapoteken einer mehrmonatigen Belagerung.

Die Stadt besaß dauerhaft bewohnte Viertel, Tempel und öffentliche Plätze. Die räumliche Trennung repräsentativer Anlagen und einfacher Wohnbereiche lässt Unterschiede in der gesellschaftlichen Stellung ihrer Bewohner erkennen.

Der Zeitpunkt der Aufgabe ist nicht abschließend geklärt. Nach der neueren Interpretation von Pedro Guillermo Ramón Celis wurde die Wohnsiedlung wahrscheinlich bereits kurz vor der Ankunft der Spanier um 1521 verlassen. Ihre Bewohner zogen demnach in das nahe gelegene Tehuantepec. Eine weitere zeitweilige Nutzung wird in der Forschung für möglich gehalten.

Entdeckung, Ausgrabungen und Erforschung

Guiengola ist aus kolonialzeitlichen Beschreibungen bekannt, darunter der Geográfica descripción von Francisco de Burgoa aus dem 17. Jahrhundert. Zu den frühen Besuchern und Dokumentierenden gehörten Guillaume Dupaix, Charles Brasseur de Bourbourg, Teobert Maler und Eduard Seler.

Die systematische archäologische Erforschung setzte im 20. Jahrhundert ein. James Forster untersuchte 1955 Keramik und Tonfiguren aus Guiengola und benachbarten Fundorten. David Peterson veröffentlichte ab 1972 Arbeiten zur Architektur der Stätte.

Zwischen 2018 und 2023 führte ein archäologisches Projekt unter Pedro Guillermo Ramón Celis systematische Geländebegehungen und Kartierungen durch. Im Dezember 2022 kam eine luftgestützte LiDAR-Vermessung hinzu.

Die Auswertung ergab eine Stadtfläche von etwa 360 Hektar mit 1.173 erfassten Strukturen. Für 90 Gebäude wurden detaillierte Pläne angefertigt. Die Ergebnisse wurden 2024 in der Fachzeitschrift Ancient Mesoamerica veröffentlicht.

Bedeutende Bauwerke und archäologische Funde

Die Monumentalbauten bilden nur einen Teil der ehemaligen Stadt. Außerhalb des zentralen Bereichs liegen zahlreiche Wohnanlagen, kleinere Plätze und Terrassen. Die neueren Kartierungen dokumentieren zudem ein zusammenhängendes Netz innerstädtischer Wege.

Plaza Principal (Hauptplatz) und Tempelplattformen

Zum bekannten Monumentalbereich gehören zwei große Tempelunterbauten, die als Edificio Oriente (Ostbau) und Edificio Poniente (Westbau) bezeichnet werden. Der Ostbau erreicht nach Angaben einer INAH-Mitteilung etwa elf Meter Höhe und besitzt einen abgesenkten Hof. Der gegenüberliegende Westbau erhebt sich auf einer breiten Plattform. Gemeinsam mit dem Ballspielplatz prägen sie den zentralen Platzbereich.

El Palacio (Palastanlage)

Der traditionell als Palast bezeichnete Komplex umfasst Plattformen, Höfe, Räume, Treppen und Grabanlagen. Das INAH deutet ihn als Wohn- und Wirkungsbereich der herrschenden oder priesterlichen Oberschicht. Zu den beschriebenen Einrichtungen gehören außerdem Wasserspeicher und Schwitzbäder. Die genaue Funktion einzelner Räume und Vertiefungen ist nicht komplett gesichert.

Juegos de Pelota (Ballspielplätze)

Der Ballspielplatz am Hauptplatz gehört zu den seit Langem bekannten Bauwerken. Die neuere Kartierung dokumentiert einen weiteren Ballspielplatz im nördlichen Bereich des Stadtzentrums. Seine Lage bei repräsentativen Wohnanlagen und die eingeschränkten Zugänge werden als Hinweise auf die alleinige Nutzung durch die Oberschicht gedeutet.

Befestigungsmauern und kontrollierte Zugänge

Die Befestigungen nutzten steile Felsabschnitte und ergänzten sie durch Mauern aus aufgeschichteten Steinenplatten. Mehrere Verteidigungslinien und schmale Zugänge erschwerten das Eindringen. Das INAH beschreibt Mauerabschnitte von drei bis fünf Metern Höhe und etwa zwei Metern Stärke sowie Ruinen von Gebäuden, die als Wachtposten dienten.

Die Gesamtlänge des erfassten Mauersystems wird mit ungefähr vier Kilometern angegeben. Mauern dienten auch der Abgrenzung verschiedener Stadtbereiche.

Wohngebäude und Terrassen

Die Wohnhäuser wurden an die unterschiedlichen Geländestufen angepasst. Erhaltene Raumfolgen, Hofbereiche und Grundstücksbegrenzungen erlauben Einblicke in die Organisation. Die Stadt bestand aus mehreren Wohnvierteln mit unterschiedlichen Gebäudegrößen und eigenen gemeinschaftlich genutzten Bereichen.

Gräber und archäologische Funde

Grabanlagen gehören sowohl zum repräsentativen Wohnbereich als auch zu anderen Gebäudekomplexen und geben Hinweise auf die gesellschaftliche Stellung und die religiösen Praktiken. Zu den bekannten Fundstücken zählt eine steinerne Schlangenskulptur, die bereits Eduard Seler dokumentierte. Sie gab dem als Plaza de la Serpiente (Schlangenplatz) bezeichneten Bereich seinen Namen. Die Skulptur befindet sich heute im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt.

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Zona Arqueológica Guiengola
Camino a Guiengola km 7,
Municipio Santo Domingo Tehuantepec, Oaxaca

Öffnungszeiten

Montag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 18:00 Uhr

Letzter Einlass: 17:00 Uhr

Eintritt

Freier Eintritt 

Informationen zum Besuch

Nach der Abfahrt von der Bundesstraße fährt man zunächst etwa 5,3 Kilometer auf einer unbefestigten Straße. Vom Ende der befahrbaren Straße führt ein Fußweg bis zur archäologischen Stätte. Dafür benötigt man ca. eine Stunde. Für den steinigen Auf- und Abstieg sind feste Schuhe mit griffiger Sohle erforderlich. Sonnenschutz, Kopfbedeckung und ausreichend Trinkwasser sollten mitgeführt werden. 

Individueller Besuch: Für den Rundgang durch die archäologischee Stätte kann man etwa 1 bis 1½ Stunden Stunden einplanen. Einschließlich Auf- und Abstieg sollte man insgesamt etwa 3 bis 4 Stunden vorsehen. 

Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 1.956 127 2.083
2024 1.888 102 1.990
2023 1.023 53 1.076
2022 geschlossen
2021 geschlossen
2020 1.584 24 1.608
2019 3.033 61 3.094
2018 2.516 13 2.529
2017 2.750 7 2.757

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Deutsch] | [Englisch] | [Spanisch]

YouTube

Guiengola, Oaxaca. Zona Arqueológica. (2:48 min, 2010)

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