Doku – Mitote – Mexiko steht Kopf – 2012

Aus der Reihe „Kennwort Kino: Mexiko real

Auf dem zentralen Platz von Mexico City, dem Zócalo, versammelt sich im Sommer 2010 eine chaotische Menschenmenge. Vor einer riesigen Public-Viewing-Leinwand verfolgen mexikanische Fans das WM-Eröffnungsspiel ihres Teams gegen Südafrika. Doch der Zócalo ist an diesem Tag im Jahr 2010 nicht nur eine Arena für Fußballfans: Im Schatten des internationalen Medienzirkus haben sich, von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet, Gewerkschaftsgruppen versammelt, um gegen die grassierende Ungerechtigkeit im Land zu demonstrieren und gegen eine Politik, die zu einem krassen sozialen Gefälle geführt hat.

Auch der Balkon des Präsidenten liegt schließlich direkt am Zócalo. Einige Gewerkschafter befinden sich sogar im Hungerstreik. Sowohl der Kampf um die Unabhängigkeit Mexikos seit 1810 als auch die mexikanische Revolution von 1910 wirken an diesem Tag noch immer nicht endgültig ausgefochten. Auch das ursprüngliche Mexiko zeigt sein Gesicht: Indio-Gruppen vollführen traditionelle Tänze, und Schamanen behandeln Passanten mit Rauch- und Kräuter-Ritualen. Dabei entpuppen sich die Indios nicht nur als Vertreter eines traditionellen Erbes, sondern als scharfe Kritiker eines Lebensstils, den sie ablehnen. Tatsächlich wirkt die Fußballshow mit ihren internationalen Sponsoren vor dem Hintergrund der mexikanischen Geschichte wie das Symbol einer noch immer andauernden Okkupation.

Mit einer äußerst beweglichen Kamera und temporeichem Schnitt fühlt Eugenio Polgovskys Dokumentarfilm „Mitote“ seinem Land den Puls. So poetisch wie präzise verdichtet Polgovsky seine Beobachtungen zum Stimmungsbild einer Gesellschaft in Aufruhr. Der 1977 geborene Filmemacher studierte Regie und Kamera in seiner Heimatstadt Mexico City. Mit seinem ersten Dokumentarfilm „Tropico de Cancer“ gewann er 2004 Preise unter anderem in Frankreich, im Libanon und in Korea. „Mitote“ – das Wort bedeutet „Chaos“ und „Feier“ in der Indiosprache Nahuatl – hatte seine Premiere auf dem Filmfestival in Rom 2012. Quelle: ARD

Erstausstrahlung: 2012, 3sat

Filmlänge: 55 min

Ein Film von Eugenio Polgovsky

Produktionsland: Deutschland

Video

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Sendungsinformationen

ARD


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