Anthropologisches Museum Xalapa (MAX)

Das Museum für Anthropologie, kurz MAX, gehört zur Universität Veracruz und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen Mexikos. Es bewahrt eine umfangreiche Sammlung vorspanischer Kunst und Alltagsgegenstände aus dem heutigen Bundesstaat Veracruz. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Kulturen der Olmeken, der Totonaken und der Huasteken.

Geschichte und Gebäude des Museums

Die Ursprünge des Museums reichen bis 1937 zurück, als die Regierung von Veracruz eine Abteilung für indigene Angelegenheiten einrichtete. Wissenschaftler wie José García Payón begannen, archäologische Fundstücke aus verschiedenen Regionen des Bundesstaates zusammenzutragen und zu dokumentieren. Eine erste öffentlich zugängliche Sammlung wurde 1943 in einem Gebäude der damaligen Bildungsdirektion gezeigt.

Nach der Gründung der Universität Veracruz (Universidad Veracruzana) gingen die Sammlungen 1945 in die Obhut der Universität über. Seit 1951 trug die Einrichtung den Namen Museo Veracruzano de Antropología. Ein Abkommen mit dem INAH ermöglichte die Aufnahme weiterer Funde aus wissenschaftlichen Ausgrabungen.

Wegen des raschen Anwachsens der Sammlung wurde 1960 auf dem Gelände der ehemaligen Mühle San Roque ein eigenes Museumsgebäude eröffnet. Ein zusätzlicher Rundbau für ethnografische Sammlungen folgte 1966.

Der heutige Museumsbau entstand in den 1980er-Jahren und wurde am 30. Oktober 1986 eröffnet. Die Pläne stammen vom US-amerikanischen Architekten Raymond Gómez vom Büro Edward Durell Stone and Associates und vom mexikanischen Architekten Sergio Mejía Ontiveros.

Die Dauerausstellung verteilt sich auf eine zentrale Galerie, sechs Ausstellungssäle und drei überdachte Innenhöfe. Zum Museum gehören außerdem Räume für wechselnde Ausstellungen, ein Auditorium, eine Buchhandlung, ein Museumsladen und eine Cafeteria.

Ausstellung und thematische Schwerpunkte

Sammlung und Dauerausstellung

Die Dauerausstellung folgt der geografischen Ausdehnung des Bundesstaates von Süden nach Norden und umfasst einen Zeitraum von rund 3.000 Jahren. Monumentale Steinskulpturen, Keramik, Figuren, Schmuck und Objekte des rituellen Lebens vermitteln einen umfassenden Eindruck von den Gesellschaften, die sich vor der spanischen Eroberung an der Golfküste und im veracruzischen Hochland entwickelten.

Die Sammlung des MAX umfasst über 25.000 archäologische Objekte, von denen etwa 1.500 ausgestellt sind. Die übrigen Stücke befinden sich in den Depots und stehen für Forschung, Restaurierung und wechselnde Präsentationen zur Verfügung.

Die Sammlung entstand durch archäologische Ausgrabungen der Universität Veracruz und des INAH, durch Zufallsfunde sowie durch Schenkungen und die Übernahme zuvor in lokalen Sammlungen aufbewahrter Stücke.

Olmekische Kultur

Der Rundgang beginnt mit der olmekischen Kultur, die sich während der vorklassischen Zeit vor allem im Süden des heutigen Veracruz und im Westen Tabascos entwickelte. Bedeutende Zentren waren San Lorenzo Tenochtitlán, Tres Zapotes und La Venta.

Das MAX besitzt eine der weltweit wichtigsten Sammlungen olmekischer Monumentalskulpturen. Besonders eindrucksvoll sind sieben Kolossalköpfe aus San Lorenzo. Die tonnenschweren Basaltskulpturen zeigen individuelle Gesichtszüge und unterschiedliche Kopfbedeckungen. Wahrscheinlich handelt es sich um Darstellungen von Herrschern.

Zu den bekanntesten Exponaten gehört der „Herr von Las Limas“ (Señor de Las Limas), eine aus grünlichem Stein gearbeitete Figur, die eine kleinere, kindähnliche Gestalt auf den Armen trägt. Auf Schultern und Knien sind weitere übernatürliche Wesen eingeritzt. Die 1965 von zwei Kindern in Las Limas entdeckte Skulptur zählt zu den herausragenden Werken olmekischer Kunst.

Weitere Exponate sind Altäre beziehungsweise Herrscherthrone, Masken, Stelen, Figuren aus Jade und Serpentin sowie monumentale Skulpturen aus Tres Zapotes, Laguna de los Cerros und San Martín Pajapan.

Epiolmekische Kultur

An die olmekische Ausstellung schließen sich Fundstücke aus der epiolmekischen Zeit an. Sie dokumentieren die kulturellen Entwicklungen, die sich nach dem Niedergang der großen olmekischen Zentren im südlichen Veracruz vollzogen.

Zu den bedeutendsten Objekten gehört die Stele 1 von La Mojarra. Der 1986 entdeckte Stein trägt die Darstellung eines reich gekleideten Herrschers sowie eine lange Inschrift in der sogenannten Isthmischen Schrift. Außerdem sind zwei Daten im System der Langen Zählung eingetragen. Die Stele ist deshalb für die Erforschung der frühen Schrift- und Kalendersysteme Mesoamerikas von großer Bedeutung.

Kulturen im zentralen Veracruz

Der mittlere Teil des Rundgangs behandelt die Kulturen, die sich über rund drei Jahrtausende im zentralen Veracruz entwickelten. Die ausgestellten Gegenstände stammen unter anderem aus El Tajín, Cempoala, Remojadas, Nopiloa, Dicha Tuerta, El Zapotal und weiteren archäologischen Fundorten.

Keramikgefäße, Räuchergefäße, Schmuck, Werkzeuge und Figuren geben Einblicke in Alltag, Kleidung, religiöse Vorstellungen und Bestattungssitten. Besonders bekannt sind die sogenannten lächelnden Gesichter (Caritas sonrientes), aus Ton gefertigte Köpfe und Figuren mit auffallend heiterem Gesichtsausdruck. Viele von ihnen stammen aus Fundorten der Kulturen von Remojadas und Nopiloa.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das mesoamerikanische Ballspiel. Zu sehen sind steinerne Joche, Beile und palmenförmige Skulpturen, die mit dem Ballspiel und den damit verbundenen Zeremonien in Zusammenhang stehen.

Huastekische Kultur

Der letzte Teil der Dauerausstellung widmet sich der Huasteca im Norden von Veracruz. Gezeigt werden Skulpturen aus Sandstein, Keramikgefäße, Figuren, Schmuck und Gegenstände des rituellen Lebens. Charakteristisch sind schlanke menschliche Darstellungen mit aufwendig gearbeiteten Kopfbedeckungen, Körperverzierungen und Schmuckelementen. Die Exponate stammen überwiegend aus der klassischen und nachklassischen Zeit.

Die Ausstellung verdeutlicht auch die gesellschaftliche Stellung von Frauen, die Bedeutung von Fruchtbarkeit und Ahnenverehrung sowie die kulturellen Kontakte der Huasteca zu anderen Regionen Mesoamerikas.

Wechselnde Ausstellungen

Das MAX verfügt über Bereiche für wechselnde Ausstellungen. Hier werden archäologische Themen behandelt und zeitgenössische Kunst ausgestellt.

Neben der Dokumentation, Konservierung, Restaurierung und naturwissenschaftlichen Untersuchung der Sammlungsstücke, veranstaltet das Museum Vorträge und Tagungen.

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Museo de Antropología de Xalapa (MAX)
Avenida Xalapa, Colonia Unidad Magisterial,
CP 91010 Xalapa, Veracruz

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: 70 MXN

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 70 MXN

Audioguide: 60 MXN, verfügbar auf Spanisch und Englisch

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch das Museum kann man etwa 2 bis 3 Stunden einplanen. 

Führungen: Von Dienstag bis Sonntag werden jeweils um 11:30 Uhr kostenlose Führungen in Spanisch angeboten.

Darüber hinaus können spanisch- und englischsprachige Führungen individuell gebucht werden:

Spanische Führungen: 350 MXN, von Dienstag bis Sonntag zwischen 10:00 bis 15;30 Uhr

Englische Führungen: 700 MXN, Mittwoch, Freitag und Samstag zwischen 10:00 bis 15;30 Uhr

Linkhinweise und Quellen

Informationen zum Museum

Museo de Antropología de Xalapa – Universidad Veracruzana
Offizielle Museumswebsite mit Informationen zur Sammlung, Geschichte, Forschung, zu Veranstaltungen und zum Museumsbesuch
[Spanisch]

Digitaler Sammlungskatalog des MAX
Durchsuchbarer Katalog mit Abbildungen, Beschreibungen, Maßen, kultureller Zuordnung und Herkunft zahlreicher Sammlungsstücke
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben
[Spanisch]

Mitteilungen und weitere Veröffentlichungen

Die folgenden Beiträge verschiedener Institutionen und Fachpublikationen bieten ergänzende Informationen zum Museum, seinen Sammlungen, Ausstellungen und Forschungsarbeiten. Die Veröffentlichungen sind nach Herausgebern geordnet und jeweils mit einer kurzen Inhaltsangabe und einem Link zum Originalartikel aufgeführt.

Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH)

09.09.2026 – Funde vom Cerro El Manatí in der Ausstellung „Señores del agua“
Die Mitteilung stellt die Sonderausstellung „Señores del agua, espacios sagrados olmecas“ vor. Rund 90 archäologische Objekte aus El Manatí und anderen Fundorten veranschaulichen olmekische Rituale, Opfergaben und die Bedeutung heiliger Landschaften.

Originalartikel des INAH – Spanisch


09.07.2026 – Olmekischer Kolossalkopf aus dem MAX in Shanghai
Die Ausstellung „Espacios Sagrados: Civilizaciones del México Antiguo“ in Shanghai zeigt bedeutende Werke verschiedener mesoamerikanischer Kulturen. Zu den Hauptwerken gehört der olmekische Kolossalkopf 4 aus San Lorenzo, der zur Sammlung des MAX gehört.

Originalartikel des INAH – Spanisch


16.04.2024 – Olmeken-Ausstellung in Montreal
Für die internationale Ausstellung „Olmecas y las civilizaciones del Golfo de México“ stellten mehrere Museen und Einrichtungen aus Veracruz Exponate bereit. Auch archäologische Objekte aus dem MAX wurden im Pointe-à-Callière in Montreal gezeigt.

Originalartikel des INAH – Spanisch


11.04.2024 – Ausstellung über den Archäologen Leopoldo Batres
Das MAX präsentierte eine Ausstellung über Leopoldo Batres, einen der Wegbereiter der modernen Archäologie in Mexiko. Fotografien, Dokumente und weitere Materialien zeichneten seine Forschungen und seine Tätigkeit an bedeutenden archäologischen Stätten nach.

Originalartikel des INAH – Spanisch


Arqueología Mexicana

März/April 2021 – Das MAX als Gedächtnis der Geschichte von Veracruz
In seinem Beitrag würdigt der Archäologe Eduardo Matos Moctezuma die Rolle der Universidad Veracruzana und des MAX bei der Bewahrung und Erforschung der Geschichte von Veracruz. Der Text beruht auf seiner Rede anlässlich der Verleihung der Medaille des Museums im Januar 2021.

Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch


12.03.2020 – Die Wanderungen des „Herrn von Las Limas“
Hernando Gómez Rueda untersucht bislang wenig beachtete Bohrungen an der Skulptur, die vermutlich dem Anbringen von Tragseilen dienten. Daraus leitet er die mögliche Verwendung des Werkes bei Prozessionen und landwirtschaftlichen Ritualen ab.

Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch


Oktober 2006 – Sonderausgabe über das Museo de Antropología de Xalapa
Die Sonderausgabe 22 ist vollständig dem MAX gewidmet. Sie enthält eine Einführung von Sara Ladrón de Guevara sowie einen umfangreichen Katalog mit Hauptwerken der olmekischen, epiolmekischen, zentralveracruzischen und huastekischen Sammlung.

Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch


Oktober 2006 – Der „Herr von Las Limas“
Der Beitrag beschreibt die monumentale olmekische Steinfigur, ihre Darstellung und ihre außergewöhnliche Größe. Er erläutert außerdem, weshalb die Skulptur nach ihrer zufälligen Entdeckung zunächst als religiöses Marienbild verehrt wurde.

Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch


Oktober 2006 – Ausgewählte Hauptwerke der Sammlung
Eine Themenseite bündelt Beiträge zu wichtigen Exponaten des MAX. Vorgestellt werden unter anderem der Kolossalkopf „El Rey“, die Reliefplatte von Aparicio, eine lächelnde Tonfigur sowie weitere Werke aus unterschiedlichen Regionen und Epochen von Veracruz.

Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch

Artikelempfehlungen

Xalapa, Veracruz

Xalapa ist die Hauptstadt des Bundesstaates Veracruz und liegt in einer hügeligen Übergangszone zwischen der Küstenebene und der Sierra Madre Oriental. Das gemäßigte, feuchte Bergklima […weiterlesen]

Museen im Bundesstaat Veracruz

Im Bundesstaat Veracruz befinden sich zahlreiche Museen, die unterschiedliche Aspekte der regionalen Geschichte, Kunst und Kultur dokumentieren. Sie widmen sich unter anderem den vorspanischen Kulturen […weiterlesen]