Das Regionalmuseum von Tlaxcala dokumentiert die Geschichte des Bundesstaates von den frühesten Spuren menschlicher Besiedlung bis zum 20. Jahrhundert. Archäologische Fundstücke, kolonialzeitliche Gemälde, historische Gegenstände und ethnografische Objekte werden im ehemaligen Franziskanerkonvent Nuestra Señora de la Asunción gezeigt. Das Bauwerk gehört zu den ältesten erhaltenen Klosteranlagen Mexikos und ist Teil des UNESCO-Welterbes.
Geschichte und Gebäude des Museums
Das Museum befindet sich im ehemaligen Franziskanerkonvent Nuestra Señora de la Asunción (Mariä Himmelfahrt). Die Anlage entstand ab 1528 und gehört zu den frühesten Klostergründungen der Franziskaner in Neuspanien. Für den Bau wurden indigene Arbeitskräfte herangezogen. Der Konvent diente der Missionierung und Ausbildung und entwickelte sich zu einem wichtigen religiösen Zentrum der Region.
Zum historischen Gebäudekomplex gehören die heutige Kathedrale von Tlaxcala, der ehemalige Kreuzgang, die Capilla abierta (offene Kapelle), mehrere Kapellen, ein Atrium und weitere Klosterräume. Der zweigeschossige Kreuzgang ist um einen rechteckigen Innenhof angeordnet. Schlichte Bögen, massive Mauern und die erhaltene Raumaufteilung veranschaulichen die Bauweise der frühen Franziskanerkonvente.
Nach dem Ende der klösterlichen Nutzung dienten Teile der Anlage unter anderem als Militärkaserne, Krankenhaus und Gefängnis. Später wurden die Räume vom Nationalen Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) restauriert und für die museale Nutzung hergerichtet. Das Museum wurde im März 1981 im ehemaligen Kreuzgang eröffnet.
Das Erdbeben vom 19. September 2017 verursachte Schäden an mehreren Räumen. Betroffen waren unter anderem der Archäologiesaal und der Bereich für Sonderausstellungen. Das INAH ließ die Schäden anschließend restaurieren.
Seit 2021 gehört der ehemalige Konvent gemeinsam mit der Kathedrale zum UNESCO-Welterbe. Die Anlage wurde als Erweiterung der Welterbestätte „Früheste Klöster des 16. Jahrhunderts an den Hängen des Popocatépetl“ aufgenommen. Das Museumsgebäude ist damit nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst eines der wichtigsten historischen Bauwerke Tlaxcalas.
Ausstellung und thematische Schwerpunkte
Die Dauerausstellung trägt den Titel Tlaxcala, tierra de encuentros (Tlaxcala, Land der Begegnungen). Rund 200 Objekte vermitteln einen Überblick über die Entwicklung der Region von der Erdgeschichte und frühen Besiedlung bis zum 20. Jahrhundert. Die zwölf Themenbereiche sind auf zehn Ausstellungsräume und den Innenhof verteilt.
Einführung und Paläontologie: Der Rundgang beginnt mit Fossilien, Karten zu frühen Wanderungsbewegungen und grafischen Darstellungen zur Besiedlung des heutigen Tlaxcala.
Kulturregion Mesoamerika: Daran schließt sich eine Einführung in Mesoamerika als Kulturregion an. Karten, Texte und didaktische Elemente erläutern gemeinsame Merkmale und regionale Unterschiede der mesoamerikanischen Gesellschaften.
Archäologie von 800 v. Chr. bis 1519 n. Chr.: Mehrere Räume widmen sich der vorspanischen Geschichte Tlaxcalas. Archäologische Fundstücke dokumentieren die Entwicklung der regionalen Kulturen von etwa 800 v. Chr. bis zum Epiklassikum um 900 n. Chr. Weitere Exponate stammen aus der späten Postklassik zwischen 1250 und 1519. Gezeigt werden unter anderem Keramikgefäße, Steinwerkzeuge, Obsidianobjekte, Skulpturen sowie Gegenstände aus dem täglichen und religiösen Leben.
Kontakte: Der Themenbereich Contactos (Kontakte) behandelt die Begegnungen und Konflikte zwischen den Tlaxkalteken und den Spaniern sowie die politisch-militärische Allianz während der Eroberung Mexikos. Historische Objekte, Reproduktionen und erläuternde Darstellungen zeigen die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Gruppen und die Folgen dieser Ereignisse für Tlaxcala.
San Antonio Raum: Einen besonderen Bestandteil der Ausstellung bildet der San-Antonio-Saal. Dort werden zehn großformatige Gemälde aus dem 18. Jahrhundert mit Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius von Padua gezeigt.
Religionsgeschichte: Weitere Räume behandeln die franziskanische Missionierung, die Ausbreitung des Christentums und die spätere Säkularisierung kirchlicher Einrichtungen.
Indigene Regierung und Handel: Die kolonialzeitliche indigene Verwaltung und der regionale Handel werden anhand von Gemälden der vier Herrschaften Tlaxcalas, Amtszeichen, Werkzeugen, Gewichten und Maßen erläutert. Zu den hervorgehobenen Objekten gehört eine Truhe mit vier Schlössern, deren Schlüssel den vier Herrschaften zugeordnet waren und die damit nur gemeinsam geöffnet werden konnte.
20. Jahrhunderts: Der abschließende Teil behandelt das 19. und 20. Jahrhundert. Kunstwerke, historische Fotografien und Alltagsgegenstände dokumentieren unter anderem das Porfiriat, die Mexikanische Revolution und die Entwicklung des Eisenbahnnetzes im Bundesstaat Tlaxcala.
Innenhof: Im Innenhof befinden sich Informationsmodule. Sie vermitteln ausgewählte Inhalte der Dauerausstellung für blinde und sehbehinderte Menschen sowie für Besucher mit eingeschränktem Hörvermögen.
Temporäre Ausstellungen: Wechselnde Ausstellungen zu archäologischen, historischen, ethnografischen und künstlerischen Themen ergänzen den Rundgang.
Besuch und praktische Informationen
Adresse
Museo Regional de Tlaxcala
Calz. de San Francisco,
CP 90000 Tlaxcala de Xicohténcatl, Tlaxcala
Öffnungszeiten
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr
Eintritt
Erwachsene international: 155 MXN
Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 85 MXN (sonntags freier Eintritt)
Besuch und Führungen
Individueller Besuch: Für die Dauerausstellung und das Gebäude kann man etwa 1,5 bis 2 Stunden einplanen.
Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden.
Linkhinweise und Quellen
Informationen zum Museum
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