Archäologische Stätte „Cueva de la Olla“

Quelle: INAH

Die archäologische Stätte Cueva de la Olla gehört zu den interessantesten prähispanischen Fundorten im Bundesstaat Chihuahua. Sie befindet sich in einer natürlichen Höhle und ist Teil einer Gruppe ähnlicher Fundplätze im sogenannten Valle de las Cuevas. Die Siedlung ist vor allem wegen eines ungewöhnlich großen Getreidespeichers bekannt, der wie eine riesige Tonvase geformt ist.

Die Stätte wird der Mogollón-Kultur zugerechnet und weist zugleich charakteristische architektonische Merkmale der sich entwickelnden Paquimé-Kultur auf. Die erhaltenen Baureste geben Einblicke in die Lebensweise kleiner landwirtschaftlicher Gemeinschaften, die in dieser trockenen Region natürliche Höhlen als geschützte Siedlungs- und Lagerplätze nutzten.

Lage und Namensherkunft

Die archäologische Stätte Cueva de la Olla liegt im Nordwesten des Bundesstaates Chihuahua, etwa 74 km von Paquimé und rund 80 km von der Stadt Casas Grandes entfernt. Sie befindet sich in einer natürlichen Höhle im sogenannten Valle de las Cuevas, einer abgelegenen Region am Rand der Sierra Madre Occidental.

Der Name Cueva de la Olla („Höhle des Topfes“) geht auf das auffälligste Bauwerk im Inneren der Höhle zurück. Dort befindet sich ein großer runder Speicherbau aus Lehm und Pflanzenmaterial, dessen Form an eine überdimensionale Tonvase erinnert. Dieser gemeinschaftlich genutzte Getreidespeicher gab der Stätte ihren heutigen Namen.

Geschichte und Entwicklung

Die Region im Nordwesten des heutigen Bundesstaates Chihuahua war bereits sehr früh besiedelt. Spuren menschlicher Präsenz reichen bis etwa 5500 v. Chr. zurück und gehören damit zu den ältesten bekannten Nachweisen in der Kulturlandschaft von Aridoamerika. Die frühen Bewohner lebten als Jäger- und Sammlergruppen, die Höhlen und Felsvorsprünge als Unterschlupf nutzten.

Ab etwa dem ersten Jahrtausend n. Chr. wanderten nomadische Gruppen von Norden nach Süden und ließen sich entlang der Gebirgsausläufer und Flusstäler der Sierra Madre Occidental nieder. Neben der Jagd und der Nutzung wildwachsender Pflanzen spielte zunehmend auch die Landwirtschaft eine Rolle, insbesondere der Anbau von Mais, Bohnen und Kürbis.

Der Kulturraum, dessen Einflussgebiet sich über Teile der heutigen mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua und Sonora sowie über die US-Bundesstaaten New Mexico und Arizona erstreckte, wird als Mogollón-Kultur bezeichnet. Innerhalb dieses Kulturraumes entwickelten sich regionale Varianten wie die Casas Grandes Kultur.

Die Nutzung von Höhlen und Felsüberhängen als Wohn- und Lagerplätze sowie die Herstellung von Keramik gehören zu den typischen Merkmalen dieser Kultur. Auch die architektonischen Merkmale der Höhlensiedlung Cueva de la Olla, darunter Lehmhäuser mit Türen in T-Form, zeigen, dass der Ort Teil dieser kulturellen Entwicklung war. Die Bewohner errichteten innerhalb der Höhle mehrere Räume aus Lehm und nutzten den geschützten Ort sowohl als Wohnbereich als auch zur Lagerung landwirtschaftlicher Produkte.

Besonders bemerkenswert ist die gemeinschaftliche Organisation der Vorratshaltung. Davon zeugt ein großer Speicher im vorderen Bereich der Höhle. Das Silo diente zur Aufbewahrung von Mais und anderen Nutzpflanzen. Es wurde aus einen Geflecht aus Pflanzenfasern errichtet und anschließend mit Lehm überzogen.

Die wichtigste Besiedlungsphase von Cueva de la Olla wird in die Zeit zwischen 1075 und 1150 n. Chr. datiert. Es wird geschätzt, dass die Gemeinschaft etwa 30 Personen umfasste. Die Vorräte im Speicher konnten vermutlich bis zu sechs Monate reichen und sicherten damit die Versorgung während der Trockenzeit.

Die Höhle wurde bereits im späten 19. Jahrhundert von dem norwegischen Forscher Carl Sofus Lumholtz beschrieben. Später untersuchte der Archäologe Robert H. Lister die Stätte genauer und dokumentierte unter anderem zwei menschliche Bestattungen im Inneren der Höhle. Diese Funde bestätigen, dass Höhlen in der Region auch für Bestattungen genutzt wurden, eine Praxis, die in mehreren Fundorten der Casas-Grandes-Region nachgewiesen ist.

Heute sichtbare Strukturen

Die archäologischen Überreste von Cueva de la Olla befinden sich vor allem im Eingangsbereich der Höhle. Auf einer ebenen Fläche lassen sich die Grundrisse von sieben Gebäuden erkennen, die aus Lehmziegeln errichtet wurden. Die Mauern sind teilweise noch erhalten und zeigen typische architektonische Merkmale der Region. Die Räume wurden dicht nebeneinander gebaut und nutzten den begrenzten Platz im Inneren der Höhle effizient aus.

Das auffälligste Bauwerk ist der große runde Getreidespeicher, der etwa 3,50 Meter hoch ist. Seine Form erinnert an eine überdimensionale Tonvase und gab der Stätte ihren Namen. Der Speicher besteht aus einer Konstruktion aus Pflanzenmaterial, die mit Lehm überzogen wurde. Trotz seines Alters ist dieses Bauwerk außergewöhnlich gut erhalten und gehört zu den bemerkenswertesten Strukturen der Stätte.

Besuch und praktische Informationen


Adresse und Anreise

Zona Arqueológica Cueva de la Olla
Gemeinde Casas Grandes, Chihuahua

Die Anreise vom heutigen Ort Nuevo Casas Grandes erfolgt über die Bundesstraße 4, in Richtung Mesa del Huracán. Nach ca. 60 km kommt eine Abzweigung zur Archäologischen Stätte. Die letzten Kilometer führen über eine unbefestigte Straße.

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag: 09:00 Uhr – 17:00 Uhr

Letzter Einlass: 16:00 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: frei

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: frei

Besuchszeit und Ausrüstung

Aufgrund des heißen, trockenen Klimas empfiehlt sich ein Besuch in den Morgenstunden. Ausreichender Sonnenschutz, Trinkwasser und festes Schuhwerk sind ratsam. Die Tour führt über steinige Wege.

Touren und Führungen

Besucher können das Gebiet auf ausgewiesenen Wegen individuell erkunden. Informationstafeln geben Auskunft über die wichtigsten Strukturen. Ein Rundgang zu den zentralen Strukturen dauert etwa 30 bis 45 Minuten.

Geführte Touren: Durch die archäologische Stätte werden Führungen von lokalen Guides angeboten, die vom INAH autorisiert sind. Die Führungen werden als Gruppen- oder Einzelführungen, in Spanisch und Englisch (je nach Verfügbarkeit), durchgeführt.

Besucherzahlen der archäologischen Stätte

Die folgende Übersicht zeigt die vom INAH veröffentlichten Besucherzahlen seit 2017.

Besucherzahlen
Jahr Besucher national Besucher international Gesamt
2025 18.308 639 18.947
2024 25.220 1.037 26.257
2023 26.543 855 27.398
2022 25.945 1.033 26.978
2021 28.770 470 29.240
2020 2.814 29 2.843
2019 15.831 735 16.566
2018 18.404 906 19.310
2017 23.357 1.172 24.529

Quelle: INEGI/INAH

Linkhinweise und Quellen

Informationen zur archäologischen Stätte

INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia)
Offizielle Informationen zur Geschichte, zu den freigelegten Strukturen sowie praktische Hinweise zum Besuch.
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben zur archäologischen Zone.
[Spanisch]

Wikipedia
Überblick zu Geschichte, Architektur und Forschung.
[Deutsch] | [Englisch] | [Spanisch]

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