Museum der Evangelisierung, ehemaliges Kloster von Huejotzingo, Puebla

Das Museum der Evangelisierung befindet sich im ehemaligen Franziskanerkloster San Miguel Arcángel in Huejotzingo. Historische Klosterräume, Wandmalereien und religiöse Gegenstände erläutern die Einführung des christlichen Glaubens und den Alltag der Ordensgemeinschaft in der frühen Kolonialzeit.

Geschichte und Gebäude des Museums

Huejotzingo gehörte neben Mexiko-Stadt, Texcoco und Tlaxcala zu den ersten Missionszentren der Franziskaner in Neuspanien. Die Huejotzinken hatten die Spanier bei der Eroberung Tenochtitláns unterstützt. Ab 1524 begannen die Franziskaner hier mit der Missionierung. In deren Verlauf wurden Teile der indigenen Bevölkerung aus den Siedlungen an den Hängen der Sierra Nevada in die Ebene umgesiedelt und am heutigen Standort zusammengeführt.

Um 1526 entstanden eine erste Kirche und ein Kloster, das zeitweise von Toribio de Benavente, bekannt als Motolinía, geleitet wurde. Zwischen etwa 1530 und 1545 wurde die Kirche vergrößert. Archäologische Untersuchungen belegen außerdem eine offene Kapelle, eine Schule für die Söhne indigener Adliger und einen Hospitalbereich.

Die heute erhaltene Kirche und die Klostergebäude entstanden in einer weiteren Bauphase ab Mitte der 1540er-Jahre. Ihre Errichtung wird traditionell mit dem Franziskaner Juan de Alameda in Zusammenhang gebracht. Der Archäologe Mario Córdova Tello datiert diese Bauphase auf 1545 bis 1580. Die Neubauten ersetzten große Teile der älteren Anlage, deren Überreste bei Ausgrabungen ab 1980 nördlich der heutigen Kirche nachgewiesen wurden.

Ausstellung und thematische Schwerpunkte

Klosterarchitektur und Räume der Franziskaner

Der Klosterkomplex umfasst die Kirche, einen zweigeschossigen Kreuzgang, die angrenzenden Klosterräume sowie einen weitläufigen, ummauerten Vorhof. Die Gewölberippen zeigen spätgotische Formen, die fein gearbeiteten Steinverzierungen der Portale entsprechen dem plateresken Stil, und die geschwungene Bogenform des Haupteingangs weist mudéjare, also maurische Einflüsse auf.

Der Kreuzgang umschließt einen Innenhof, in dessen Mitte ein Brunnen steht, der ursprünglich über eine Wasserleitung vom Fluss Xopanac versorgt wurde. Zum Rundgang gehören die Küche, ehemalige Vorratsräume, der Speisesaal (Refektorium), eine Mönchszelle und die Empfangsräume.

In der Küche sind ein großer gemauerter Rauchabzug und ein Wasserbehälter erhalten, der über eine Wasserleitung gespeist wurde. Von hier bestanden Zugänge zur Bäckerei und zu einem etwa 26 Quadratmeter großen Kühlraum aus dem sechzehnten Jahrhundert.

Im Vorraum der Sakristei wurde nachträglich ein Waschbecken für die Priester eingerichtet. Dafür nutzte man ein großes, mit Reliefs verziertes Steinbecken. Der gemauerte Unterbau enthält Talavera-Keramikschalen aus Puebla.

Wandmalereien und religiöse Bildprogramme

Die Fresken zeigen biblische Szenen, Heilige und Motive aus der Geschichte des Franziskanerordens. Im Gebets- und Totenwachraum (Sala De Profundis) ist die als „Zwölf Apostel Mexikos“ bekannte Gruppe von Franziskanern dargestellt, die 1524 unter Leitung von Martín de Valencia nach Neuspanien kam. Der Raum diente der Totenwache, der Meditation und Bußübungen. Sein Name geht auf den dort gesungenen Psalm „De profundis“ („Aus der Tiefe“) zurück.

Religiöse Kunst und liturgische Gegenstände

Zur Dauerausstellung gehören Taufbecken, Altaraufsätze, Gemälde, Textilien und Gegenstände für religiöse Zeremonien aus dem Bestand des ehemaligen Klosters.

Kirche und Altaraufsatz

Die einschiffige Kirche besitzt ein gotisches Rippengewölbe mit sternförmigen Mustern. Im Altarraum steht ein Altaraufsatz aus dem sechzehnten Jahrhundert mit Gemälden von Simón Pereyns. Florale Steinverzierungen und Symbole des Franziskanerordens schmücken den Zugang zur Sakristei.

Kirchenvorhof und Prozessionskapellen

Der erhöht liegende Kirchenvorhof (Atrium) ist über eine Treppe und ein dreibogiges Tor zugänglich. An seinen vier Ecken stehen Prozessionskapellen (Capillas posas) aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts.

Besuch und praktische Informationen


Adresse

Museo de la Evangelización, Exconvento de Huejotzingo
Plazuela de San Francisco, Centro
CP 74160 Huejotzingo, Puebla

Öffnungszeiten

Montag: geschlossen

Dienstag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 17:00 Uhr

letzter Einlass um 16:00 Uhr

Eintritt

Erwachsene international: 145 MXN

Erwachsene national und Ausländer mit Wohnsitz in Mexiko: 80 MXN (Sonntags freier Eintritt)

Besuch und Führungen

Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch das Museum kann man etwa 60 bis 90 Minuten einplanen. 

Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden. 

Linkhinweise und Quellen

Informationen zum Museum

Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben
[Englisch] | [Spanisch]

SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben
[Spanisch]

Mitteilungen und weitere Veröffentlichungen

Die folgenden Beiträge verschiedener Institutionen und Fachpublikationen bieten ergänzende Informationen zum Museum, den Sammlungen, Ausstellungen und Forschungsarbeiten. Die Veröffentlichungen sind nach Herausgebern geordnet und jeweils mit einer kurzen Inhaltsangabe und einem Link zum Originalartikel aufgeführt.

Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH)

23.04.2026 – Indigene Traditionen und franziskanische Klosterarchitektur
Bildbeitrag zur Bedeutung des Kirchenvorhofs und der Prozessionskapellen für die Missionierung. Erläutert wird, wie die offenen Räume an die Versammlungs- und Kulttraditionen der indigenen Bevölkerung anknüpften.

[Originalartikel des INAH – Spanisch]

06.06.2025 – Huejotzingo als frühes Kloster Neuspaniens
Bildbeitrag zur Gründung des Franziskanerklosters und seiner Rolle bei der Missionierung Zentralmexikos. Weitere Themen sind die Architektur, die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe und die Einrichtung des Museums der Evangelisierung.

[Originalartikel des INAH – Spanisch]

2024 – Restaurierte Gemälde zum Leben des heiligen Franziskus
Ausstellungshinweis zu „¡Francisco!, repara mi Iglesia“. Im Mittelpunkt stehen restaurierte Gemälde mit Darstellungen aus dem Leben des heiligen Franziskus von Assisi.

[Originalartikel des INAH – Spanisch]

2023 – Licht und Schatten des Karnevals von Huejotzingo
Ausstellungshinweis zu „Claroscuro del carnaval de Huejotzingo“, einer Sonderausstellung über den Karneval des Ortes.

[Originalartikel des INAH – Spanisch]
Arqueología Mexicana

Mai–Juni 2014 – Die Baugeschichte des Klosters San Miguel de Huejotzingo
Fachartikel von Mario Córdova Tello über die Gründung des heutigen Ortes und die Entwicklung der Klosteranlage. Archäologische Befunde erläutern die älteren Kirchenbauten sowie die Neuordnung der Siedlung im Zuge der franziskanischen Missionierung.

[Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch]

November–Dezember 2000 – Archäologische Untersuchungen im Kloster von Huejotzingo
Fachartikel von Mario Córdova Tello über die Ausgrabungen und die verschiedenen Bauphasen des Klosterkomplexes. Im Mittelpunkt stehen die nachgewiesenen Überreste früher Kirchen, der offenen Kapelle und der Schule für indigene Kinder. 

[Originalartikel von Arqueología Mexicana – Spanisch]

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