Das Nationalmuseum des Todes in Aguascalientes widmet sich den Vorstellungen vom Tod und der Darstellung in der mexikanischen Kultur und Kunst. Die Ausstellung reicht von vorspanischen Bestattungsritualen über religiöse Vorstellungen der Kolonialzeit bis zur Volkskunst und zur modernen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Museum gehört zur Autonomen Universität Aguascalientes und nutzt mehrere Gebäude im historischen Zentrum, darunter Teile des ehemaligen Franziskanerklosters.
Geschichte und Gebäude des Museums
Die Sammlung und die Gründung
Das Museum wurde im Juni 2007 eröffnet. Grundlage war die Sammlung des mexikanischen Künstlers und Grafikers Octavio Bajonero Gil, die er der Universität Aguascalientes schenkte. Sie umfasst Volkskunst und künstlerische Arbeiten aus verschiedenen Regionen Mexikos, deren gemeinsames Thema der Tod ist.
Zum Bestand gehören mehr als 2.000 Kunstwerke und Objekte. Ergänzt wurde die Sammlung durch weitere Schenkungen und Leihgaben, darunter Stücke aus der Privatsammlung des Sammlers und Forschers Daniel Mercurio López Casillas. Mit einer Erweiterung der Ausstellung im Jahr 2014 wurden die historischen Veränderungen der Todesvorstellungen und Bestattungspraktiken stärker berücksichtigt.
Vom Kloster zum Universitätsmuseum
Ein Teil des Museums befindet sich im ehemaligen Franziskanerkloster neben der Kirche San Diego. Die historischen Räume wurden später für Bildungszwecke genutzt und gehören heute zum Gebäudebestand der Universität. Die Ausstellung erstreckt sich über die Gebäude „19 de Junio“, „J. Jesús Gómez Portugal“ und „C. P. Humberto Martínez León“.
Zum Rundgang gehören Innenhöfe und eine ehemalige Zisterne, die als Ausstellungsraum zur vorspanischen Unterwelt genutzt wird. So bleiben neben den Exponaten auch unterschiedliche Bau- und Nutzungsphasen des Gebäudekomplexes sichtbar.
Die Neugestaltung von 2023
Nach einer längeren Schließung während der Pandemie und anschließenden Umbauarbeiten wurde das Museum im April 2023 wieder eröffnet. Dabei wurden Ausstellungsbereiche überarbeitet und der Zugang, die Kasse, der Museumsladen sowie die Angebote für Besucher neu gestaltet.
Ausstellung und thematische Schwerpunkte
Unterwelt und vorspanische Bestattungen
Der Bereich Inframundo (Unterwelt) befindet sich in einer restaurierten Zisterne des früheren Klosterkomplexes. Hier sind zwei regionale Grabformen nachgebildet, eine Bestattung aus El Ocote in Aguascalientes und ein Schachtgrab, wie es aus dem zentralen Westen Mexikos bekannt ist.
Die Rekonstruktionen veranschaulichen die Anordnung der Verstorbenen und ihrer Grabbeigaben. Originale archäologische Objekte ergänzen die Darstellung und geben Einblicke in vorspanische Bestattungspraktiken.
Vorspanische Vorstellungen vom Tod
Der Themenbereich Visión Prehispánica (Vorspanische Vorstellungen) behandelt religiöse Deutungen des Todes und des Jenseits. Masken, Gefäße und Darstellungen von Gottheiten zeigen unterschiedliche Formen des Totenkults.
Zu den dargestellten Figuren gehören Mictlantecuhtli, eine Gottheit der Unterwelt, und Xólotl. Auch der Xoloitzcuintle, der mexikanische Nackthund, wird berücksichtigt. Ihm wurde in bestimmten vorspanischen Vorstellungen die Aufgabe zugeschrieben, Verstorbene auf ihrem Weg ins Jenseits zu begleiten.
Kolonialzeit und christliche Todesvorstellungen
Der Bereich Mundo Novohispano (Die Welt Neuspaniens) behandelt die Veränderungen während der spanischen Kolonialherrschaft. Die Einführung des katholischen Glaubens veränderte Bestattungsrituale, religiöse Bildwelten und die Vorstellungen vom Leben nach dem Tod.
Christliche Begriffe wie Himmel, Hölle und Fegefeuer sowie die kirchlichen Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen prägten den Umgang mit den Verstorbenen. Dieser Ausstellungsbereich erläutert diese Entwicklungen als Teil der Geschichte des heutigen Tags der Toten.
Das unabhängige Mexiko und der Tag der Toten
Der Themenbereich México Independiente (Das unabhängige Mexiko) widmet sich Veränderungen seit dem 19. Jahrhundert. Dazu gehören die Einrichtung und Verwaltung von Friedhöfen außerhalb kirchlicher Zuständigkeit sowie neue Formen des öffentlichen und privaten Totengedenkens.
Auch Darstellungen verstorbener Kinder und die Entwicklung der Fotografie gehören zu den Themen des historischen Rundgangs. Die Ausstellung verfolgt außerdem, wie Künstler, staatliche Einrichtungen und später Film und populäre Medien die Darstellung des Tags der Toten beeinflussten.
Der Tod in der modernen und zeitgenössischen Kunst
Grafiken, Gemälde und Skulpturen zeigen unterschiedliche künstlerische Sichtweisen auf den Tod. Das Spektrum reicht von religiösen und nachdenklichen Darstellungen bis zu Satire, Humor und gesellschaftlicher Kritik.
Zu den behandelten Künstlern gehören José Guadalupe Posada und Julio Ruelas. Ihre Arbeiten verdeutlichen, wie unterschiedlich das Motiv des Todes in der Kunst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eingesetzt wurde. Weitere Werke führen das Thema bis in die Gegenwart fort.
Die Räume der Volkskunst
Die Volkskunst bildet einen eigenen Schwerpunkt der Sammlung. Drei Themenbereiche zeigen unterschiedliche Materialien, Gestaltungstechniken und Deutungen:
Vorspanisch inspirierte Volkskunst: Die Sala de Arte Popular Neo-Prehispánica zeigt neuere Arbeiten, die vorspanische Formen und Motive aufgreifen. Dazu gehören Darstellungen von Gottheiten, Masken, Gefäße und Schädel.
Totenschädel und Skelettfiguren: Die Sala de Arte Popular de Calaveras widmet sich Totenschädeln und Skeletten aus unterschiedlichen Materialien. Miniaturszenen greifen Berufe, Alltagssituationen und gesellschaftliche Rollen auf, häufig mit humorvollen oder satirischen Elementen.
Bestattung und Ritual: Die Sala de Arte Popular Funerario y Ritual zeigt kunsthandwerkliche und religiöse Darstellungen zu Tod, Jenseits und Totengedenken. Sie veranschaulicht die Vielfalt regionaler Ausdrucksformen.
Innenhöfe und wechselnde Ausstellungen
Im ersten Innenhof befindet sich ein Wandbild des Künstlers Leonel Maciel, das eigens für das Museum geschaffen wurde. Im zweiten Innenhof steht ein monumentaler Totenschädel aus Cartonería, einer mexikanischen Gestaltungstechnik mit Papier, Pappe und Kleister. Das Werk wurde vom Kollektiv Última Hora aus Iztapalapa gefertigt und als Teil der Ausstattung des James-Bond-Films „Spectre“ verwendet.
Die Außengalerie und der Mehrzwecksaal bieten außerdem Platz für wechselnde Ausstellungen.
Besuch und praktische Informationen
Adresse
Museo Nacional de la Muerte (MUMU)
Rivero y Gutiérrez, Centro,
CP 20000 Aguascalientes, Aguascalientes
Öffnungszeiten
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr
Letzter Einlass: 17:00 Uhr
Eintritt
Erwachsene 50 MXN, Mittwochs freier Eintritt
Besuch und Führungen
Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang sollte man etwa eineinhalb bis zwei Stunden einplanen.
Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden.
Rund um den Tag der Toten veranstaltet die Universität ein Kulturprogramm mit unterschiedlichen Aktivitäten.
Linkhinweise und Quellen
Informationen zum Museum
SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben
[Spanisch]
Aguascalientes Stadt
Städtische Tourismusinformationen
[Mehrsprachig]
Museum bei Google Arts & Culture
Digitale Ausstellungen und Einblicke in die Sammlung
[Mehrsprachig]
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