Das ehemalige Kloster Nuestra Señora de las Nieves gehört zu den frühen franziskanischen Sakralanlagen aus der Kolonialzeit in Tlaxcala. Der im 16. Jahrhundert errichtete Kirchen- und Konventkomplex diente der Missionierung der indigenen Bevölkerung und wurde 1591 zum Ausgangspunkt der Umsiedlung von rund 400 tlaxkaltekischen Familien in den Norden Neuspaniens. Erhalten sind Teile der Kirche und des Konventbereichs sowie ein freistehender Glockenturm.
Geschichte und Gebäude des Museums
Die Geschichte des Klosters geht auf die franziskanische Missionstätigkeit im 16. Jahrhundert zurück. Bereits um 1550 bestand in Totolac eine Kapelle für die indigene Bevölkerung, in der die Jungfrau Maria unter der Bezeichnung Nuestra Señora de las Nieves verehrt wurde. Mit dem Bau des späteren Kirchen- und Konventkomplexes wurde im Jahr 1569 begonnen.
Indigene Bauleute verwendeten vulkanisches Gestein, Kalkstein und wiederverwendete Steine aus älteren Bauwerken. Die Anlage folgte dem Aufbau früher Missionskomplexe in Neuspanien. Zu ihr gehörten die Kirche mit Hauptschiff und Seitenkapellen, Zellen der Brüder sowie weitere Bereiche für die religiöse Unterweisung und das gemeinschaftliche Leben.
Eine besondere historische Bedeutung erhielt der Ort im Jahr 1591. Rund 400 Familien aus den vier tlaxcaltekischen Herrschaftsgebieten Tepeticpac, Ocotelulco, Tizatlán und Quiahuixtlán versammelten sich hier, bevor sie in den Norden Neuspaniens aufbrachen. Die von der spanischen Krone organisierte Umsiedlung sollte zur Gründung und Stabilisierung von Siedlungen in der sogenannten Gran Chichimeca beitragen. Nachfahren dieser Familien ließen sich unter anderem in Gebieten der heutigen Bundesstaaten Coahuila, San Luis Potosí, Zacatecas und Jalisco nieder.
Der ungünstige Standort in der Nähe der Flüsse Zahuapan und Totolac gefährdete die Anlage dauerhaft. Wiederholte Überschwemmungen trugen Erde und Schlamm in den Komplex, beschädigten das Mauerwerk und erhöhten im Laufe der Zeit das Bodenniveau um etwa eineinhalb Meter. Nachdem zwischen dem ausgehenden 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert die neue Pfarrkirche von Totolac fertiggestellt worden war, wurde der überschwemmungsgefährdete Klosterkomplex endgültig aufgegeben.
Die ehemalige Kirche wurde anschließend zeitweise als Begräbnisstätte genutzt. Bei archäologischen Untersuchungen im Hauptschiff wurden 22 Bestattungen aus der Kolonialzeit entdeckt. Ihre Lage in drei übereinanderliegenden Bodenschichten zeigt, dass dort über einen längeren Zeitraum Verstorbene beigesetzt wurden.
Heute sind Teile der Wände des Hauptschiffs, Überreste der Kapellen, mehrere Mauern des früheren Konventbereichs sowie eine kleine Kuppel erhalten. Besonders auffällig ist der vom Kirchenbau getrennte Glockenturm. Die Ruinen lassen noch die ursprünglichen Dimensionen des religiösen Komplexes erkennen.
Das INAH führte wiederholt Sicherungs- und Konservierungsarbeiten durch. Nach den Erdbeben von 2017 mussten schwere Risse im Mauerwerk und Schäden am Hauptschiff, an der Kuppel und am Glockenturm behoben werden. Die Restaurierungsarbeiten wurden im Februar 2024 abgeschlossen.
Ausstellung und thematische Schwerpunkte
Bei einem Rundgang durch die Ruinen der ehemaligen Klosteranlage können Teile des früheren Hauptschiffs, Überreste der Kapellen und des Konventbereichs, eine kleine Kuppel sowie der freistehende Glockenturm besichtigt werden. Die Mauerreste vermitteln einen Eindruck von der ursprünglichen Größe und Gliederung der Anlage.
Die historische Bedeutung des Ortes umfasst die franziskanische Missionstätigkeit im 16. Jahrhundert. Die bei archäologischen Untersuchungen entdeckten Bestattungen belegen außerdem, dass die ehemalige Kirche nach ihrer Aufgabe als Begräbnisstätte genutzt wurde. Dabei handelt es sich um Forschungsbefunde und nicht öffentlich ausgestellt werden.
Besuch und praktische Informationen
Adresse
Ex Convento de Nuestra Señora de las Nieves
Carretera Federal San Martín–Tlaxcala, Kilometer 22
Colonia El Chamizal, CP 90160 San Juan Totolac, Totolac, Tlaxcala
Öffnungszeiten
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 9:00 Uhr – 17:00 Uhr
Eintritt
Freier Eintritt
Besuch und Führungen
Individueller Besuch: Für einen individuellen Rundgang durch das Museum kann man etwa 30 bis 45 Minuten einplanen.
Führungen: Geführte Rundgänge können direkt vor Ort gebucht werden.
Linkhinweise und Quellen
Informationen zum Museum
Nationales Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben
[Englisch] | [Spanisch]
SIC México (Sistema de Información Cultural)
Kurzüberblick mit Basisdaten und administrativen Angaben
[Spanisch]
Catálogo Nacional de Bienes Culturales de Propiedad Federal
Informationen zum Klosterkomplex von San Juan Totolac
[Spanisch]
Artikelempfehlungen
Museen im Bundesstaat Tlaxcala
Im Bundesstaat Tlaxcala befinden sich zahlreiche Museen, die unterschiedliche Aspekte der regionalen Geschichte, Kunst und Kultur dokumentieren. Sie widmen sich unter anderem der vorspanischen Vergangenheit, […weiterlesen]
Bundesstaat Tlaxcala
Der Bundesstaat Tlaxcala liegt im zentralmexikanischen Hochland und ist der flächenmäßig kleinste Bundesstaat Mexikos. Hochebenen, bewaldete Bergzüge und landwirtschaftlich genutzte Täler bestimmen die Landschaft. Im […weiterlesen]
